fast eine Heimat

Eine schöne Ausstellung habe ich gestern gesehen, leider, leider endet sie schon bald (am 31. Januar). Im neuen Stadtarchiv Stuttgarts ist die Ausstellung über das Veielbrunnenviertel, „den historischen Teil des NeckarParks“ zu sehen. Hervorgegangen ist sie aus einem Projekt der Gemeinwesenarbeit: Jugendliche befragten Senioren des Viertels zur ihrer Geschichte und der des Stadtviertels. Aus diesen Befragungen ist auch die Ausstellung selbst entstanden, ein Großteil der Exponate stammt von den Bewohnern des Viertels selbst. Das Veielbrunnenviertel ist ja wie eine Insel, es liegt zwischen der Bahnlinie und der Mercedesstraße (Wasen) und ist nicht wirklich mit dem Rest von Cannstatt verbunden. Was ein Nachteil aber auch ein Vorteil sein kann („wir auf unserer Insel“).

Darüber gäbe es jetzt viel zu berichten, auch das Veielbrunnenviertel selbst oder die NeckarPark-Pläne wären einen Bericht wert. Aber hängen geblieben sind mir vor allem zwei Sätze, die mich den ganzen Tag schon beschäftigen

Der eine vom örtlichen Gemeinwesenarbeiter:
„Wer weiß, wo er herkommt, kann leichter ein Ziel finden, wo er hin will.“

Und der andere aus den Hörstationen der Ausstellung. Eine Migrantin berichtete über ihr Leben hier und sagte sinngemäß: „Ich habe mich hier gut eingelebt. Ich habe hier fast eine Heimat gefunden.“ Ich konnte nur kurz hinein hören, da wir das Ganze im Rahmen einer Führung besichtigt haben. Aber dieses „fast eine Heimat“ hat sich bei mir festgesetzt. Ankommen, aber nicht ganz. Irgendetwas bleibt immer zurück. Fast eine Heimat.

treffende Namen

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Manche Namen passen einfach besser als andere

Brain-Washed

Andere ziehen sich zurück zwischen den Jahren und gehen in sich. Sie machen Pläne für das Neue Jahr und das Jahrzehnt gleich mit, schreiben lange Listen ihrer Vorsätze, ihrer Ziele, ihrer Ideen und entwerfen das ideale Leben. Oder gehen nach innen und suchen sich.

Ich bin in dieser Zeit immer in Winterstarre. Auch dieses Jahr mit sonnigen 10 Grad. Nicht viel wollen, einfach nur da sein. Nichts tun, nichts denken. Spazierengehen. Und in der Weite der zeeländischen Küste den Kopf frei kriegen -  sozusagen Brain-Washed.

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Wie immer schön und erholsam. Immer gleich und immer gut.

Am Strand

 

 

Eine schöne Idee habe ich gerade entdeckt. Statt langer Vorsätze ein Wort für das Jahr, das mich begleitet. Ich sinniere noch ein wenig, aber ich glaube, das Wort hat mich schon gefunden.

 

Und wir sehen schon den Stern, Nachschlag am Dreikönigstag

Lichtjahre

Vielleicht
ist dieser Stern,
dessen funkelndes Licht
dich jetzt erreicht,
schon erloschen.

Vielleicht
wenn du nicht mehr da bist
kommt das Wort von dir,
das du jetzt aussendest,
erst an.

Detlev Block

Einen letzten noch, Adventssterne, 6. Januar, Dreikönigstag

epiphanie

den stern
lob ich der
aus der reihe
tanzt
und unberechenbar
seine kreise zieht

den stern
lob ich den
kein fernrohr
findet
und der rechner
zur verzweiflung bringt

den stern
lob ich der
suchende bewegt
auf unbekanntes ziel
zu wandern

den stern
lob ich der
einem kind
zulieb
die alte ordnung
sprengt

Wilhelm Bruners

***

letzte Sternschnuppen: alle gefunden bei Fee

Freitags Fisch

aber hier gibt’s gar keinen Fisch.

Deswegen machen wir uns auf, den Fisch zu suchen… An der Küste werden wir fündig werden.

 

Das Wesentliche der Zeit

„Wenn man es kritisch betrachtet, zeigen die Uhren recht wenig, jedenfalls nicht das für uns Wesentliche der Zeit. Was sie zeigen, ist nicht viel mehr als die Seitenzahl im Buch des Lebens, in dem das steht, was gerade gegenwärtig geschieht. Das Wesentliche ist aber nicht die Seitenzahl, es steht im Text, und der ist das, was wir erleben. „

Albert Hinkelbein
Zeit – Maß des Lebens

Mut

Im neuen Jahr
grüße ich
meine nahen und
die fremden Freunde
grüße die
geliebten Toten
grüße alle
Einsamen
grüße die Künstler
die mit
Worten Bildern Tönen
mich beglücken
grüße die
verschollenen Engel
grüße mich selber
mit dem Zuruf
MUT

Rose Ausländer

bald ...

Ich lasse das Neue Jahr wachsen. Es ist ja noch frisch. Was daraus wird, werden wir sehen. Ich will es jetzt nicht überhäufen mit Vorsätzen, Erwartungen, Hoffnungen. Möge es blühen und gedeihen. Ich will es hegen und pflegen und gut mit ihm umgehen. Ich werde nicht ein anderer, besserer Mensch, wenn der Kalender wechselt, ich kann nur mit dem Neuen Jahr gnädig sein. Und mit mir.

Es ist ja gut, dass  es immer wieder einen neuen Anfang geben kann. GErade auch nach so schwierigern Jahren. Für mich ist der Jahreswechsel vor allem eine Erinnerung daran, dass es gut ist, auch mal das Alte wegzupacken und immer wieder neu anfangen. Immer wieder. Jedes Jahr ist wie eine neue Pflanze. Die alten sind noch da, wachsen hinten im Garten, aber jetzt steht bei mir das neue Pflänzchen, um das ich mich kümmern kann.

 

P.S
wunderschönes Jahresmotto, in der Tauschlade gefunden
sehr passende Karte für den Jahresanfang

 

Und wir sehen schon den Stern, 24

Der Weihnachtsstern

Mögt ihr auch in die allerfernste Ferne,
die flimmernde, des Weltenraumes spähn,
ihr könnt nur Sterne, immer neue Sterne,
doch nirgend könnt ihr meinesgleichen sehn.

Ich komme aus der andern Welt und Zeit
zufolge Gottes deutender Gebärde
und ziehe über Bethlehems Gebreit
und über all die Traurigkeit der Erde.

Denkt nicht, ich wäre schon, ich selbst, das Licht.
Das Licht ist unbegreiflich eins und keins.
Ich bin, der sich im Erdendämmer bricht,
der Schein nur, nur der Widerschein des Scheins,

ein Zeichen nur in dieser Nacht und Stille.
Vielleicht dass einer, der mich sieht sich bang
ergebt und aufbricht und aus seiner Fülle
ins Ungewisse geht sein Leben lang.

Manfred Hausmann

Adventssterne, 24. Dezember

Was wir von den Sternen lernen können:

• Greife nach den Sternen. Blicke weit. Schaue nach vorn, nach oben.
• Bewahre die Sternstunden in Dir.
• Suche nicht nur am Boden, hebe den Blick. Nach oben.
• Aber suche Sterne nicht nur am Himmel. Erleuchtung gibt es nicht nur dort zu finden.
• Auch wir können Sterne sein, anderen heimleuchten, anderen Orientierung geben.
• Finde das Funkelnde, das Glänzende im Leben.
• Lerne Staunen
• Stelle Dein Leben unter einen guten Stern
• Nicht alles, was glitzert, ist ein Stern.
• Suche die Zeichen, suche sie zu deuten.
• Sage es weiter, wenn Du einen Stern gefunden hast. Werde vom Sternsucher zum Sternsinger.
• Teile die Sterne mit allen Menschen.

 

Ich hoffe, Euch hat der Sternenkalender gefallen. Bewahrt Eure Sternstunden, auf dass sie nicht nur verglühende Sternschnuppen sind.

Ich wünsche Euch leuchtende, friedliche und gesegnete Weihnachten, mit viel Glitzern und Funkeln. Freut Euch am Licht.

Aber passt auf, dass Ihr nicht hinterher sternenhagelvoll seid,  nicht dass Ihr hinterher die Sternlein singen hört …

Und wir sehen schon den Stern, 23

Der Stern von Bethlehem ist kein Zimtstern.
Werbespruch an einer Tankstelle

Adventssterne, 23. Dezember

Sterne gibt es nicht nur am Himmel. Sternenrestaurants, Bewertungssterne, Fleisssternchen – die Maßeinheit Stern ist omnipräsent. Von den unerreichten Leitsternen, die uns die Größe des Himmels klar werden lassen zum berechenbaren Bewertungsstern, dessen Durchschnittsbewertung wir ausrechnen können. Auch eine Art Sternkunde.

 

maßeinheit stern

qualität
wohlstand
ansehen
das möchten wir
sehen, haben zeigen können

glück
wird manchmal damit verwechselt
sterne gehören uns selten
sind vielleicht nur geliehen
wie das glück

Mechthild Hüsch

Und wir sehen schon den Stern, 22

Lege ein Ohr an den Erdboden,
dann ist das andere für den Himmel frei.
unbekannt

Adventssterne, 22. Dezember

Der Stern

Hätt einer auch fast mehr Verstand
Als wie die drei Weisen aus Morgenland
Und ließe sich dünken, er wär wohl nie
Dem Sternlein nachgereist wie sie;
Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
Seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,
Fällt auch auf sein verständig Gesicht,
Er mag es merken oder nicht,
Ein freundlicher Strahl
Des Wundersternes von dazumal.

Wilhelm Busch