Doppelblog’s Weblog

Einsamkeit II

8. Juli 2009 · 1 Kommentar

der tisch

er ist alt,
aber er erinnert sich an nichts.
wir sind seine seele,
die er überleben wird.
wir denken an das gelächter
kommender generationen,
das ihm gleichgültig ist.
wir denken an die einsamkeit,
die er nicht fühlt,
wenn er allein ist nachts
mit dem ticken der uhr,
einem weissbrotrest,
einem halbleeren glas.

rainer malkowski, ein tag für impressionisten

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Einsamkeit

8. Juli 2009 · Kommentar schreiben

“Sonntag ging er in die Berge. Sie war ihm für seine Rücksicht dankbar. Es it unendlich viel einfacher, dachte Marie, die Einsamkeit allein zu erleben.”

Thomas Hürlimann, Vierzig Rosen

Überhaupt hat mich dieses Buch sehr gepackt. Ich muss gestehen, ich kann gar nicht so genau sagen, weshalb. Es hat einen Sog entwickelt, dabei ist es sehr distanziert geschrieben. Die Sprache ist schlicht, aber intensiv. Mal hat man Abstand zu den Figuren (es bleiben Figuren, irgendwie kammerspielartig) mal fühlt man mit. Auf jeden Fall sehr lesenswert.

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Zwiebeln – zum Heulen oder zum Lachen?

7. Juli 2009 · 2 Kommentare

In Esslingen gibt es ein Zwiebelfest, ein Fest auf dem Marktplatz, an dem es vorwiegend Zwiebelgerichte gibt und Esslinger Wein. Ein Stadtfest mit Lokalbezug. Bisher zumindest. Nun soll es auf einmal nicht nur Esslinger Wein geben, nein, die Esslinger Wirte, die das Ganze organisieren fühlen sich von den Esslinger Weingärtnern “etwas vernachlässigt” – und schenken nun Wein aus Großbottwar aus.

Etwas überrascht sind sie nun vom großen Aufschrei. Was nun andere auch wieder überrascht. Schließlich kann man den Esslingern viel nachsagen, aber ganz sicher nicht, dass sie sich um ihre Tradition nicht sorgen. Und an einem Stadtfest gehört es sich nun mal, dass man regionalen Wein ausschenkt. Zumindest wenn man kein beliebiges und austauschbares Fest möchte.

Insgesamt also eine Geschichte, wie sie geradewegs aus Schilda hätte stammen können. Auch die Reaktionen sind erheiternd. So findet ein Kommentator der Esslinger Zeitung einen schönen Vergleich – das Esslinger Kiwifest gesponsert von australischen Kiwizüchtern.

Aber am allerbesten ist die Äußerung eines Gastwirts: „Hätten sie das gewusst, hätten sie viel Geld für Werbung sparen können.“

→ 2 KommentareKategorien: alltägliches · esslingen

Das Gedicht zum Wochenende

3. Juli 2009 · 2 Kommentare

dann löste sich die hitze langsam
vom balkon und der blick wurde leichter

von den häusern abgelenkt. die weißen
parabolantennen an den fenstern

fingen schon die ersten lichter an
zu glühen blau und grün verkapselt.

als die augen zwischen den reklametafeln
streunen wollten war es eine rote

plastiktüte in der luft weit oben leuchtend
glitt sie vorbei und gab dem blick nach

und nach halt bis er weich und ruhig
hinter den lidern saß

nico bleutge, klare konturen: gedichte

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aufgeschnappt

2. Juli 2009 · Kommentar schreiben

“Wieso trägst Du nicht so einen hübschen Strohhut wie Dein Onkel?”

“Eben deshalb.”

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intrigant

1. Juli 2009 · 2 Kommentare

Versprecher des Tages:

Intrigantes Handlungskonzept

→ 2 KommentareKategorien: fundstücke · sprachliches

zuerst etwas können später etwas wagen

30. Juni 2009 · 4 Kommentare

Am Wochenende habe ich ein zauberhaftes Buch gelesen. Genauer gesagt: Ich habe „Mein Urgroßvater und Ich“ wiedergelesen, inspiriert durch diese zauberhafte Rezension. Es ist schon so lange her, aber ich fand es schon damals sehr nett. Damals war es natürlich noch exotischer, schließlich kannte ich weder die Nordsee noch einen Aufenthalt auf einer Nordseeinsel. Sprachspielereien konnten mich aber schon immer begeistern.

Heute goutiere ich vor allem die kleinen Weisheiten über Sprache, die er in einfache und einprägsame Bilder verpackt:

„Dann sind die Wörter ja Kleider, mit denen man die ganze Welt anzieht, Urgroßvater!“
„Jawohl, Boy, so ungefähr ist es. Ohne Sprache ist die Welt so nackt, wie du jetzt bist. Aber durch die Sprache wird sie so gesittet und ordentlich wie du durch deinen Anzug.“

„Ojemine, Urgroßvater!“, schrie ich. „Der Satz ist ja so lang geworden wie eine Seeschlange.“
„Und dabei ist es immer noch ein einfacher Satz, Boy. Ich meine, da sind keine Nebensätze drin. Aber, im Vertrauen gesagt, Boy: so lange Sätze soll man in einer Geschichte nicht schreiben. Das ist, als ob man ein kleines Ruderboot mit der Fracht für einen großen Dampfer belädt. Das hat keinen Schick! … “

Aber am allerschönsten ist diese Stelle:
„Die Moral von der Geschichte, Boy, ist eine seltsame Moral. Sie heißt: Lerne, wie man schreiben soll. Aber vergiss das Gelernte, wenn du schreibst!“
„Das ist wie beim Schwimmen, Urgroßvater: Am Anfang muss man die Arm- und Beinbewegungen lernen, aber später muss man sie beherrschen, ohne an sie zu denken. Sonst schwimmt man schlecht und geht unter.“
„Ein guter Vergleich, Boy! Ob man geht oder schwimmt oder schreibt, es ist immer dasselbe: Man muss zuerst etwas können und später etwas wagen, dann geht’s!“

Und dann war da noch der Leuchtturm auf den Hummerklippen, Pauline und der Prinz im Wind, Tante Julies Haus, und und und …

“Mir hat mal ein kleines Mädchen geschrieben: ‘In deinen Büchern kann man wohnen’. Und das fand ich ein ungeheures Lob und daraus schließe ich, dass ich Bücher schreibe, in denen man sich behaglich einrichten kann.”


→ 4 KommentareKategorien: Bücher · sprachliches

beim Augenarzt

29. Juni 2009 · 9 Kommentare

Da werde ich doch beim Augenarzt gefragt:

“Lesen Sie NOCH mit Brille?”

Betonung natürlich auf dem noch.

→ 9 KommentareKategorien: alltägliches

was man am Gardasee entdecken kann

28. Juni 2009 · 7 Kommentare

Nach dem Markt:
Nach dem Markt
Lazise

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Das Gedicht zum Wochenende

27. Juni 2009 · Kommentar schreiben

Erfindung

Heute Morgen
habe ich mich
erfunden

ich bin ich
und frag mich
was soll ich tun

Ich will
die Welt erfinden
Dinge Worte
deine Liebe

Rose Ausländer

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