Seltsame Straßennamen, Folge 217

Wenn der Dichter am Ende ist mit seinem Latein –

 photo 20150519_506.jpg

dann wohnt er sicher hier.

modische Bäume

In Berlin sind die Bäume modebewußt. Sie tragen Boa, wie Frau Tauschlade weiß.

Im Münsterland sind die Bäume bodenständiger. Sie tragen grüne Strümpfe:

 photo raesfeld 171var.jpg

Und bei Ihnen?

Frühlingsfest: Party ist kein Spaß

 photo 20150503_66var.jpg
Wasenbesuch: Symbolbild

Am Samstag war unser jährliche Wasen-Spaziergang. Mit der Erkenntnis: Party ist kein Spaß.
 photo 20150503_138var.jpg photo 20150503_68var.jpg

 

Was muss man nicht alles tun: Die passende Verkleidung finden (wenn schon kein Dirndl) …
 photo 20150503_147var2.jpg

 photo 20150503_96var.jpg

Selfie machen, posieren … photo 20150503_150var2.jpg

 photo 20150503_141var2.jpg

… und natürlich trinken, trinken, trinken…

Das erste Bild, das wir dort sahen: 3 junge Frauen im Dirndl vor dem Fest, eine kann kaum noch stehen. Das letzte Bild, das wir mitnehmen: 3 junge Frauen im Dirndl, eine leere Sektflasche in der Hand, auf dem Weg zum Frühlingsfest.
Dazwischen – äußerst originell, gefühlte 3 Trillionen von Junggesellinnenabschiedsgruppen, mit Tiara, Schleier, Schärpe, vermutlich alles beim gleichen Shop bestellt. photo 20150503_123var.jpg
“Wir trinken!” “Ich zahle!”

Und dennoch mag ich diese Spaziergänge. Wo bekommt man an einem grauen Tag so viel Farbe?

mehr Farbe im Leben

Mehr Farbe im Leben

… so bunt, wenn auch ein wenig rosalastig. photo 20150503_115var.jpg photo 20150503_176var2.jpg

… diese Mischung aus Hightech, Party, uraltem Jahrmarkt (Dosenwerfen!) und Grusel. Und gruslig sind nicht nur die Geisterbahnen (mit lebenden Geistern!)

 photo 20150503_74var.jpg

 photo 20150503_125var.jpg

ZeitlosDosenwerfbuden sind zeitlos.

***

weitere Erkenntnisse:

man trägt jetzt Einhorn
 photo 20150503_109var.jpg

 photo 20150503_134var.jpg

… und Wanderschuhe photo 20150503_101var.jpg

 photo 20150503_145var.jpg
jetzt neu, auch mit Helal-Festwurst

Und selbst der Klabauter hat sich dem Wasen angepasst, wenn auch nur mit sehr dezentem Karo:
 photo 20150503_81var.jpg

 

 photo 20150503_82var.jpg“ein Hotdog bitte – am besten vom Beagle”

Wie immer: schön war’s und bunt war’s.
mehr Farbe im Leben

 

 

Twitterlieblinge April

Jetzt auch mal mit den Twitterlieblingen des Monats. Sehr opernlastig das Ganze.
Weitere Lieblingstweets sammelt Anne Schüssler wie immer.

https://twitter.com/percanta/status/588807491980365824

Osterkugeln statt Ostereier

 

 photo neidlingen_35var.jpg

Ostersonntag waren wir beim Kugelmüller in Neidlingen. Kugelmüller? Ein unbekannter und seltener Beruf. In einer Kugelmühle werden Marmorblöcke zu Murmeln gemahlen, mit Hilfe von Wasserkraft. Das Wort Murmel kommt ja schließlich von Marmor.

Was sich zuerst einfach anhört: die vorbereiteten Rundlinge werden in eine Form gegeben und das Wasser dreht sie dann in rund 24 Stunden zu perfekt runden Kugeln. Aber natürlich hat der Kugelmüller davor und danach noch viel Arbeit mit den einzelnen Kugeln. Man kann ja nicht einfach Marmorwürfel in die Form packen und darauf warten, dass Kugeln daraus werden, die Rohlinge müssen schon vorher in eine kugelähnliche Form gebracht werden. Hier hat der Neidlinger Kugelmüller eine ganz eigene Methode entwickelt, die sehr viel zeitsparender ist als das bisherige Zurechtfeilen von Hand. Hinterher müssen die Kugeln natürlich noch poliert werden.

 

 photo neidlingen_19var.jpg
hier zeigt der Kugelmüller Stefan Metzler die beiden Bestandteile einer Mühle

 photo neidlingen_24var.jpgSo sehen die Rohlinge aus

 photo neidlingen_27var.jpgund daraus werden dann – schön poliert – glänzende Marmorkugeln

Eine Kugelmühle war früher ein klassisches Nebenerwerbshandwerk, Bauern hatten eine Kugelmühle am Bach und nutzen dann wohl die langen Winterabende zur Herstellung von Marmorkugeln.

Stefan Metzler, der Neidlinger Kugelmüller betreibt diese Mühle seit 2005 neu. Es ist also keine alte Mühle aber eben ein uraltes Handwerk. Er wollte immer eine Kugelmühle haben und so musste er 14 Jahre warten, bis er einen Ort fand, an dem er das betreiben konnte (und ich vermute mal, dass ein Großteil der Zeit auch für das Erhalten der notwendigen Wasserrechte draufging). Heute kann man diese Kugelmühle immer sonntags und feiertags (außer am letzten Sonntag im Monat) besichtigen. Der Kugelmüller erzählt sehr anschaulich von der Mühle, von seiner Arbeit und von der Herkunft der verschiedenen Marmorarten. Er verwendet vor allem heimischen Marmor. Auf der Schwäbischen Alb gibt es natürlich eine Menge unterschiedlicher Arten.

Die Kugelmühle ist sehr klein, sowohl die Anlage am Bach als auch die Werkstatt. Aber Herr Metzler kann erzählen, ohne Punkt und Komma, mit einer Begeisterung für seine Arbeit. Man könnte Stunden dort zubringen.

Er berichtet beispielsweise, dass die Kugeln im Sommer länger brauchen wie im Winter. Auch nachts geht es schneller. Wieso nur? Ganz einfach, weil das Wasser kälter ist – und somit schwerer. Jeder von uns weiß noch, dass Wasser die größte Dichte bei 4 Grad hat, nur wissen wir keine praktische Anwendung dazu. Dies ist einer von vielen Stückchen “nutzlosen Wissens”, die wir seit der Schule mit uns rumtragen. Aber auf einmal ergibt es einen Sinn.

Und dann die Murmeln, in allen Farben schillernd. Zu mir sprechen ja Steine nicht, ich kann nur sagen: „alles so schön bunt hier.“ Aber wenn sich jemand wirklich gut mit der Geologie auskennt und erzählt, so finde ich das höchst spannend. Stefan Metzler kann zu jeder einzelnen Kugel etwas sagen, woher sie kommt, aus welchem Marmor, weshalb er genau diese Farbe hat. Spannend sind Einschlüsse, z.b. aus Bergkristall, da kann man mit der Taschenlampe durchleuchten. Eine schwarze Kugel hatte einen Einschluss in Form eines weißen Halbmondes. Das ist eine Muschelschale, die Schwäbische Alb war ja mal ein Meer und Erkenbrechtsweiler eine Lagune. Da lag dann schon so einiges herum. Man kann da wirklich stundenlang zuhören – oder sich seine ganz besonders schöne Kugel aussuchen. Fotografiert habe ich fast nichts, ich war so gebannt.

Kaufen kann man die Kugeln natürlich auch, davon lebt ein Kugelmüller schließlich. Man muss sich nur entscheiden können, welche die schönsten sind. Und kaufen kann man auch die Marmorsteinen, aus denen die Bohrkerne gebohrt wurden. Als Pflanzsteine für den Garten. Kaufen kann man auch den Marmorstaub, den kann man als Dünger im Garten gebrauchen. Es wird also auf gut schwäbisch alles verwertet.

 photo neidlingen_16var.jpghier im Seebach sitzen die Mühlen

 photo neidlingen_14var.jpg

Das Wort Murmeln kommt von Marmor, Marmormurmeln wurden seit dem Mittelalter vor allem in Deutschland hergestellt und in alle Welt exportiert. Hier waren wir schon im Mittelalter „Exportweltmeister“. Heute gibt es ja vor allem Glasmurmeln aus China. Übrigens wurden auch die Glasmurmeln in Deutschland, genauer gesagt in Lauscha in Thüringen erfunden, aber das ist schon wieder eine eigene Geschichte.

Steinkugeln wurden früher natürlich auch als Munition gebraucht, beispielsweise auf Schiffen oder für Katapulte.

Die Kugelmühle lohnt einen Besuch, schon wegen der Erzählungen des Kugelmüllers. Anschließend kann man einen Kaffee in der Alten Kass in Neidlingen trinken oder das Ganze mit einem Besuch der Ruine Reussenstein, den Neidlinger Wasserfällen oder auch mit dem Beurener Freilichtmuseum kombinieren.

Heute gibt es im deutschsprachigen Raum nur noch eine Handvoll Kugelmühlen, umso schöner, dass man hier dieses alte Handwerk noch besichtigen kann.

5 Bücher

Cloudette hat nach 5 Büchern gefragt. Nicht DIE fünf Bücher, sondern welche 5 Bücher ich als nächstes lesen werde. Ich könnte es mir nun einfach machen und Bücher über Zünfte, Technik, Stadtgeschichte, Industrialisierung oder Frauen und Gewerbe (spannend: »Was nützt die Schusterin dem Schmied?«: Frauen und Handwerk vor der Industrialisierung) nennen. Das zählt aber nicht, das ist Arbeit, wenn auch ein angenehmer Teil .

Also schauen wir mal: Romane kaufe ich eigentlich nicht mehr, meist leihe ich sie aus. Ich habe bei Amazon eine Leseliste, das ist schon sehr praktisch. Wenn ich dann welche kaufe sind es meist ausgeliehene Bücher, die ich so gut fand, dass ich sie haben mag. Oder ich verschenke sie an andere. Gekauft wird fast immer übers Internet aber an die örtliche Buchhandlung geliefert. Also schaue ich mal auf die Leseliste:

Das erste wird Hilary Mantels „Wölfe“, der zweite Teil ihrer Thomas Cromwell Trilogie sein. Ganz einfach, weil ich dies aus der Bücherei schon hier habe und an Weihnachten den ersten Teil „Falken“ gelesen habe. Mantel schreibt ganz andere historische Romane. Ein wenig sperrig aber lesenswert. Nachdem ich vom immer gleichen Strickmuster der historischen Romane sehr genervt bin (ganz wichtig: nur echt mit einer weiblichen Berufsbezeichnung auf dem Titel, immer irgendwie eine „starken Frau“ als Heldin ob es passt oder nicht und immer schlecht recherchiert) ist dieser Roman wohltuend anders. Überhaupt, die Geschichte ist bekannt, Heinrich VIII und seine Frauen – und hinterher sind die meisten tot, aber hier wird es aus einer ganz anderen Perspektive gezeigt.

Auch das zweite habe ich schon ausgeliehen: Barbara Beuys, „Die neuen Frauen – Revolution im Kaiserreich: 1900-1914“ . Ein Zufallsfund, Barbara Beuys ist eigentlich immer lesenswert. Ihre Bücher über Hildegard von Bingen und über Paula Modersohn-Becker mochte ich sehr.

Zum dritten kann ich nicht viel sagen, nur dass es Frau Kaltmamsell empfohlen hat, das kann nicht schlecht sein: Naomi Aldermann “Ungehorsam

Das vierte ist “Sie dreht sich um“ von Angelika Overath. Von Overath hat mir „Alle Farben des Schnees. Senter Tagebuch“ gut gefallen. Deswegen mag ich gerne mehr von ihr lesen. Umso gespannter bin ich auf „Sie dreht sich um.“ Es geht um Menschen, genauer gesagt um eine verlassene Frau und um Kunst, genauer gesagt um weibliche Rückenfiguren in der Kunst. Ich bin gespannt.

Beim fünften Buch wird die Auswahl schwierig, auf der Liste sind noch viele Bücher. Es könnte beispielsweise Der perfekte Schweinsbraten“ von Satu Taskinen sein. Ich weiß nicht mehr, wer mit das empfohlen hat aber es klingt sehr schräg. ich werde es wohl lieben oder hassen. Dies kennen allerdings die Büchereien meines Vertrauens nicht. Insofern eher: “Der Distelfink “von Donna Tartt. “Die geheime Geschichte” war eines der ersten Bücher, die ich auf Englisch gelesen habe, insofern wäre das ein guter Anlass mal wieder etwas auf Englisch zu probieren.

Wer auch über seine Bücherpläne berichten mag, darf gerne mitmachen. Vielleicht Liisa? Ingrid? Lakritze? Karu? Monalisa? oder wer auch immer mag.

 

 

Osterhasen

Osterhasen

schmecken lecker – trotz Käfighaltung

Frohe Ostern