Twittergewitter Januar

Cat-Content? Fehlanzeige. Rat-Content? auch Fehlanzeige. Aber diesmal mit Raben, Schäfchen, Walen, Elefanten, Eisbären, Igeln, Kormoranen, Eichhhörnchen … ist das dieses Biedermeier, der Rückzug ins Niedliche und Harmlose? Egal, die Welt braucht auch jazzende Igel.

Gefavt werden fast nur noch Bilder, dann eben Biedermeier mit iconic turn.

Mehr gibt’s wie immer dankenswerterweise bei Anne Schüssler.

Der Stern zieht weiter

Adventsbild, 5. Dezember

Als die drei Könige, von ihren Gaben entlastet, wieder aus dem Stall traten, hielt Kaspar erschrocken inne.
Der Stern, sagte er. Was ist mit ihm?, fragte Melchior. Er ist weitergezogen!, sagte Kaspar.
Hast du jemals einen Stern stillstehen sehen?, fragte Balthasar.

Adolf Muschg

Im neuen Jahr ankommen

Weihnachten und Silvester ist rum, der Klabauter ist wieder heim gefahren, jetzt ist für mich das alte Jahr tatsächlich rum. Noch eine Woche Zwischentage, dann geht es wieder los.

Das letzte Jahr war vor allem beruflich und gesundheitlich sehr anstrengend. Irgendwie bin ich dem Jahr nur hinterher gerannt, mit hängender Zunge. Manchmal weiß ich nicht, wie lange die Kraft noch hält. Umso schöner, dass wir doch viele schöne Momente und Auszeiten hatten. Nur die Zeit zum Rückblick, die hat mir gefehlt. Und deswegen ist dies auch mein einziger Vorsatz, wieder mehr zurückzuschauen, was alles gut und schön war, die besonderen Momente zu behalten. Rückblicke sind nicht an Kalenderzeiten gebunden.

Der Pessimist gleicht einem Manne, der vor einem Wandkalender steht und wehmütig zusieht, wie dieser Kalender – von dem er täglich ein Blatt abreißt – immer schmächtiger und schmächtiger wird.

Der Optimist hingegen gleicht einem, der das Kalenderblatt, das er jeweils entfernt, fein säuberlich auf die bisher abgenommenen Blätter legt, sich auf der Rückseite Notizen macht darüber, was er an diesem Tage getan oder erlebt hat, und nicht ohne Stolz auf die Gesamtheit dessen zurückblickt, was da alles in diesen Blättern festgelegt – was alles in diesem Leben “festgelebt” ist.

Viktor E.Frankl: Der Wille zum Sinn

 

Doch was das Neue Jahr bringen wird, das wissen wir noch nicht.

Ausblick ins Neue JahrWir warten noch, was kommt.

Wir schauen schon, wir erwarten das Eine oder Andere, aber wir können noch nichts erkennen.Da helfen auch alle Suchscheinwerfer nicht. Bietigheim

Wichtig ist, dass wir mutig nach vorne schauen…Ausblick ins Neue Jahr

…und uns doch Zeit für den Rückblick nehmen.Was kommt?

Egal, wohin es geht, wir sind im Neuen Jahr angekommen. Was passt hier besser als diese Skulptur von Hubertus von der Goltz mit dem Titel “…angekommen…”
Angekommen

Wir balancieren im Neuen Jahr.Schritt für Schritt. Tag für Tag.

“Derjenige, der balanciert, muß sich auf sich selbst und seinen Weg konzentrieren.”
Hubertus von der Goltz

 

Solange wir uns immer zur Sonne orientieren…Korber Köpfe 2015/2016

kann es auch nicht zu Hirngespinsten kommen.Korber Köpfe 2015/2016

Dies wünsche ich mir und uns allen im Neuen Jahr. Immer zur Sonne blicken und mutig die Balance halten.

 

 

Twittergewitter Dezember

Diesmal kurz und mit vielen Bildern.
Noch mehr Twitter wie immer dankenswerterweise von Anne Schüssler gesammelt.

und noch ein Bonus:

Ich steh an Deiner Krippe hier, 24. Tür

24. Tür

Am Tor steht ein Engel
und lächelt dich an:

“Möchten Sie einen Blick in den Himmel werfen?
Wir haben Tag der offenen Tür.

Der Hausherr ist gerade unterwegs.
Er ist Mensch geworden.

Wir bauen nämlich unser Terrain aus.
Es wird reichen bis an die Enden der Erde.”
Tina Willms

***

Ich hoffe, die Adventsgedanken haben ein wenig Spass gemacht und vielleicht auch mal die Gedanken in eine andere Richtung gedreht. Weihnachten ist jedes Jahr und es kann doch jedes Jahr neu entdeckt werden.

Ich wünsche allen frohe und friedvolle Weihnachten – egal wie perfekt alles ist und egal ob mit oder ohne Familie.

 

Ich steh an Deiner Krippe hier, 23. Tür

23. Tür

„Die meisten feiern mit der Familie“
Zeitungsüberschrift

„Die heilige Familie gibt es nur im Dreierpack“
Krippenverkäufer

Weihnachten ist das Fest der Familie – Familien, mehr oder weniger vollständig, zelebrieren die heilige Familie. Vater, Mutter, Kind – in trauter Zusammenkunft: „das traute hochheilige Paar mit dem holden Knaben im lockigen Haar“. Die Erwartungen, die die Bilder der heiligen Familie wecken, werden den Familien übergestülpt.

Doch die heilige Familie ist keine Modellfamilie. Nach heutigen Gesichtspunkten sowieso nicht, sie ist eher eine Patchworkfamilie. Und eine große Familie allemal, aus der Bibel weiß man von mindestens 6 Geschwister, 4 Brüder sind namentlich erwähnt, ebenso gab es mindestens 2 Schwestern. Das Familienleben stand auch nie im Vordergrund. Jesus sagte sich früh von seiner Familie los. „Weib, was hab’ ich mit dir zu schaffen?“ herrschte er seine Mutter bei der Hochzeit von Kaana an. Und von seinen Jüngern forderte er, die Familie zu verlassen. Jesus bedeutete geistige Verwandtschaft mehr als leibliche Verwandtschaft.

Und dennoch wurde daraus im Laufe der Jahrhunderte ein Bild einer idyllischen Familie gestrickt. Das unser heutiges Weihnachtsfest vor allem dem biedermeierlichen Familienbild entspricht, als pädagogisches Fest für Kinder habe ich ja schon öfters erwähnt.

Aber ist das nicht auch tröstlich? Es war nicht alles perfekt, es war nicht wie im Bilderbuch. Weihnachten geht nicht nur Familien etwas an und Weihnachten ist nicht das Fest der perfekten Familie. Weihnachten ist das Fest der Hoffnung und der Umkehrung der Geschichte, wie im Kleinen etwas ganz Großes entsteht. Jenseits aller Idylle. Ganz irdisch und menschlich.

“Denken Sie immer daran: Weihnachten ist das Fest der unheilen Familie.”
Johanna Haberer


„Schau“, beschwichtigt er, „was erzählt diese Geschichte denn sonst, wenn nicht, dass das Leben auch unter den widrigsten Umständen weiter geht? Gott ist ein Mitläufer. Er ist dabei, egal wo. Er sitzt an deinem Tisch. Er wählt nicht die üppigste Tafel und nicht die glücklichsten Kinderaugen. Er ist da wie dort. Gib, was du kannst. Nimm, was da ist. Das reicht. Frohe Weihnachten!“
Susanne Niemeyer

Ich steh an Deiner Krippe hier, 22. Tür

22. Tür

Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenze

Wir brauchen die Nächte, um die Sterne zu entdecken

***

Wie ich schon berichtet habe, waren wir Anfang des Jahres in Köln im Museum Schnütgen bei der Ausstellung über die Heiligen Drei Könige. Es war unglaublich interessant, die Darstellungen über die Jahrhunderte zu verfolgen, sie haben sich ja sehr gewandelt. Es ist ja bekannt, dass die heiligen drei Könige weder genau drei Personen waren noch tatsächlich Könige. Sie waren Weise oder Sterndeuter aus der Ferne. So wurden sie früher ganz anders dargestellt.

Eine sehr beeindruckende Darstellung ist das Epitaph von Severa aus dem 3./4. Jahrhundert, also wirklich sehr, sehr alt. Ich mag diese Darstellung sehr, vor allem, wie gezeigt wird, wie die drei Weisen eilend aus der Ferne ankamen. Es sind nur wenige Striche, aber die drei wehenden Schals zeigen doch perfekt, wie sehr sie sich beeilt haben. Wie einfach gezeichnet und doch auf das Wesentliche reduziert. „Wir eilen zur Krippe“

Auf vielen sehr alten Darstellungen haben sie noch exotische Kopfbedeckungen auf, zum Teil phrygische Mützen – ich sage ja immer Mainzelmännchenmützen dazu (aber das wäre ein eigenes Thema… ).

Eine weitere Lieblingsdarstellung habe ich, das ist ein Kapitell aus Autun aus dem frühen 12. Jahrhundert. Hier liegen die drei heiligen Könige und schlafen. Die Reise ist weit und irgendwann muss man sich ja mal erholen. Hier sind es nun Könige und ich mag an dieser Darstellung wie alle drei Könige unter einer Decke stecken (und was für eine prächtige Decke) und wie sie selbstverständlich mit Krone schlafen.

Zwei der drei Könige schlafen. Der dritte ist gerade von einem Engel geweckt worden, ganz sanft berührt er ihn und zeigt gleichzeitig auf den Stern. Das ist Euer Ziel, Ihr wollt zum Licht ziehen. Verliert nicht Euer Ziel aus den Augen, orientiert Euch am Licht. Wahrscheinlich brauchen wir immer wieder diese Hinweise, verliert den Blick auf die Sterne nicht aus dem Ziel Oder wie Leonardo da Vinci sagte: “Binde deinen Karren an einen Stern.”

Und wann wäre der passende Moment, wenn nicht jetzt, nach der Wintersonnwende. Es geht wieder aufwärts, orientiert Euch am Licht!

***

Dem Stern folgen

Schlafen
träumen
geweckt werden
aufwachen
aufstehen

nicht genau wissen
sich an den Traum erinnern
auf den Weg machen

Lasten abwerfen
durch Wüsten ziehen
die Richtung verlieren
andere nach dem
Weg fragen

ausgelacht werden
ein Ziel haben
das Ziel nicht aus den
Augen verlieren
dem Stern folgen
einen Schritt
nach dem anderen
machen

an Oasen rasten
noch einmal losgehen
müde werden
stolpern
wieder aufstehen
weitergehen

an der Krippe
ankommen
keinen Königspalast
vorfinden
wie erwartet
trotzdem glauben

Hermann Josef Coenen