Archiv der Kategorie: adventskalender

Oh oh Tannenbaum!

Wir haben sicher nicht den größten Tannenbaum.
Aber den schrägsten wahrscheinlich doch.

Oh oh Tannenbaum!

Und wenn man ganz still dasitzt, schaut er mich an und spricht mit mir.

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Der Stern zieht weiter

Adventsbild, 5. Dezember

Als die drei Könige, von ihren Gaben entlastet, wieder aus dem Stall traten, hielt Kaspar erschrocken inne.
Der Stern, sagte er. Was ist mit ihm?, fragte Melchior. Er ist weitergezogen!, sagte Kaspar.
Hast du jemals einen Stern stillstehen sehen?, fragte Balthasar.

Adolf Muschg

Ich steh an Deiner Krippe hier, 24. Tür

24. Tür

Am Tor steht ein Engel
und lächelt dich an:

„Möchten Sie einen Blick in den Himmel werfen?
Wir haben Tag der offenen Tür.

Der Hausherr ist gerade unterwegs.
Er ist Mensch geworden.

Wir bauen nämlich unser Terrain aus.
Es wird reichen bis an die Enden der Erde.“
Tina Willms

***

Ich hoffe, die Adventsgedanken haben ein wenig Spass gemacht und vielleicht auch mal die Gedanken in eine andere Richtung gedreht. Weihnachten ist jedes Jahr und es kann doch jedes Jahr neu entdeckt werden.

Ich wünsche allen frohe und friedvolle Weihnachten – egal wie perfekt alles ist und egal ob mit oder ohne Familie.

 

Ich steh an Deiner Krippe hier, 23. Tür

23. Tür

„Die meisten feiern mit der Familie“
Zeitungsüberschrift

„Die heilige Familie gibt es nur im Dreierpack“
Krippenverkäufer

Weihnachten ist das Fest der Familie – Familien, mehr oder weniger vollständig, zelebrieren die heilige Familie. Vater, Mutter, Kind – in trauter Zusammenkunft: „das traute hochheilige Paar mit dem holden Knaben im lockigen Haar“. Die Erwartungen, die die Bilder der heiligen Familie wecken, werden den Familien übergestülpt.

Doch die heilige Familie ist keine Modellfamilie. Nach heutigen Gesichtspunkten sowieso nicht, sie ist eher eine Patchworkfamilie. Und eine große Familie allemal, aus der Bibel weiß man von mindestens 6 Geschwister, 4 Brüder sind namentlich erwähnt, ebenso gab es mindestens 2 Schwestern. Das Familienleben stand auch nie im Vordergrund. Jesus sagte sich früh von seiner Familie los. „Weib, was hab’ ich mit dir zu schaffen?“ herrschte er seine Mutter bei der Hochzeit von Kaana an. Und von seinen Jüngern forderte er, die Familie zu verlassen. Jesus bedeutete geistige Verwandtschaft mehr als leibliche Verwandtschaft.

Und dennoch wurde daraus im Laufe der Jahrhunderte ein Bild einer idyllischen Familie gestrickt. Das unser heutiges Weihnachtsfest vor allem dem biedermeierlichen Familienbild entspricht, als pädagogisches Fest für Kinder habe ich ja schon öfters erwähnt.

Aber ist das nicht auch tröstlich? Es war nicht alles perfekt, es war nicht wie im Bilderbuch. Weihnachten geht nicht nur Familien etwas an und Weihnachten ist nicht das Fest der perfekten Familie. Weihnachten ist das Fest der Hoffnung und der Umkehrung der Geschichte, wie im Kleinen etwas ganz Großes entsteht. Jenseits aller Idylle. Ganz irdisch und menschlich.

„Denken Sie immer daran: Weihnachten ist das Fest der unheilen Familie.“
Johanna Haberer


„Schau“, beschwichtigt er, „was erzählt diese Geschichte denn sonst, wenn nicht, dass das Leben auch unter den widrigsten Umständen weiter geht? Gott ist ein Mitläufer. Er ist dabei, egal wo. Er sitzt an deinem Tisch. Er wählt nicht die üppigste Tafel und nicht die glücklichsten Kinderaugen. Er ist da wie dort. Gib, was du kannst. Nimm, was da ist. Das reicht. Frohe Weihnachten!“
Susanne Niemeyer

Ich steh an Deiner Krippe hier, 22. Tür

22. Tür

Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenze

Wir brauchen die Nächte, um die Sterne zu entdecken

***

Wie ich schon berichtet habe, waren wir Anfang des Jahres in Köln im Museum Schnütgen bei der Ausstellung über die Heiligen Drei Könige. Es war unglaublich interessant, die Darstellungen über die Jahrhunderte zu verfolgen, sie haben sich ja sehr gewandelt. Es ist ja bekannt, dass die heiligen drei Könige weder genau drei Personen waren noch tatsächlich Könige. Sie waren Weise oder Sterndeuter aus der Ferne. So wurden sie früher ganz anders dargestellt.

Eine sehr beeindruckende Darstellung ist das Epitaph von Severa aus dem 3./4. Jahrhundert, also wirklich sehr, sehr alt. Ich mag diese Darstellung sehr, vor allem, wie gezeigt wird, wie die drei Weisen eilend aus der Ferne ankamen. Es sind nur wenige Striche, aber die drei wehenden Schals zeigen doch perfekt, wie sehr sie sich beeilt haben. Wie einfach gezeichnet und doch auf das Wesentliche reduziert. „Wir eilen zur Krippe“

Auf vielen sehr alten Darstellungen haben sie noch exotische Kopfbedeckungen auf, zum Teil phrygische Mützen – ich sage ja immer Mainzelmännchenmützen dazu (aber das wäre ein eigenes Thema… ).

Eine weitere Lieblingsdarstellung habe ich, das ist ein Kapitell aus Autun aus dem frühen 12. Jahrhundert. Hier liegen die drei heiligen Könige und schlafen. Die Reise ist weit und irgendwann muss man sich ja mal erholen. Hier sind es nun Könige und ich mag an dieser Darstellung wie alle drei Könige unter einer Decke stecken (und was für eine prächtige Decke) und wie sie selbstverständlich mit Krone schlafen.

Zwei der drei Könige schlafen. Der dritte ist gerade von einem Engel geweckt worden, ganz sanft berührt er ihn und zeigt gleichzeitig auf den Stern. Das ist Euer Ziel, Ihr wollt zum Licht ziehen. Verliert nicht Euer Ziel aus den Augen, orientiert Euch am Licht. Wahrscheinlich brauchen wir immer wieder diese Hinweise, verliert den Blick auf die Sterne nicht aus dem Ziel Oder wie Leonardo da Vinci sagte: „Binde deinen Karren an einen Stern.“

Und wann wäre der passende Moment, wenn nicht jetzt, nach der Wintersonnwende. Es geht wieder aufwärts, orientiert Euch am Licht!

***

Dem Stern folgen

Schlafen
träumen
geweckt werden
aufwachen
aufstehen

nicht genau wissen
sich an den Traum erinnern
auf den Weg machen

Lasten abwerfen
durch Wüsten ziehen
die Richtung verlieren
andere nach dem
Weg fragen

ausgelacht werden
ein Ziel haben
das Ziel nicht aus den
Augen verlieren
dem Stern folgen
einen Schritt
nach dem anderen
machen

an Oasen rasten
noch einmal losgehen
müde werden
stolpern
wieder aufstehen
weitergehen

an der Krippe
ankommen
keinen Königspalast
vorfinden
wie erwartet
trotzdem glauben

Hermann Josef Coenen

Ich steh an Deiner Krippe hier, 21. Tür

21. Tür

SUCHE NACH DEM KIND

Früher, ganz früher,
als ich ein Kind war,
da kamen sie oft, des nachts,
die Geister und Dämonen,
die Hexen, Kobolde und Fratzen,
sie tanzten um mein Bett und raubten mir den Schlaf.
Ich lief dann schnell ins Schlafzimmer der Eltern,
dort, wo die Geister keinen Zutritt hatten,
schlüpfte unter die Decke meiner Mutter,
und alles war gut.

Heute, da ich groß bin,
erwachsen, wie es so schön heißt,
kommen sie noch manchmal, die Dämonen,
wenn auch mit anderen Namen:
Hast, Lieblosigkeit, Neid und Hader,
Versagen, Verlust, vergebliches Mühen,
Krankheit, Armut, Krieg.
Und sie erfüllen mich mit Angst.

Ich schließe dann die Augen,
um zu mir zurück zu gehen,
bis ich langsam, immer stärker,
die Kraft spüre, die in mir ist.
Die Kraft, von meinem innren Stern beseelt,
der mir den Weg zeigt,
vorbei an diesen Geistern,
hin, zu meinem Kern und einer besseren Welt.

So ging es wohl den 3 Königen,
als sie einst dem Stern folgten
und das Kind fanden.

Es scheint mir, Weihnachten ist eine gute Zeit,
um die Augen zu schließen
und dies kraftvolle Kind in sich zu finden,
das auch noch beschützt wird,
von einer Macht,
die höher ist.

Autor unbekannt

Ich steh an Deiner Krippe hier, 20. Tür

20. Tür

Es war einmal ein frommer Mann, der wollte schon in diesem Leben in den Himmel kommen. Darum bemühte er sich ständig in den Werken der Frömmigkeit und Selbstverleugnung.
So stieg er auf der Stufenleiter der Vollkommenheit immer höher empor, bis er eines Tages mit seinem Haupte in den Himmel ragte.
Aber er war sehr enttäuscht: Der Himmel war dunkel, leer und kalt.
Denn Gott lag auf Erden in einer Krippe.

Martin Luther
aus: der andere Advent

Und wenn wir schon bei Weihnachtsdarstellungen sind – ich mag die Bilder von Peter Brueghel – dem Erfinder der Wimmelbilder. Seine sehr kleinteiligen und detailreichen Bilder sind ja immer spannend, es gibt hier so viel zu entdecken. Er verlegt, wie viele Maler seiner Zeit die biblischen Szenen nach Flandern. Genau so war es natürlich nicht und doch zeigt er durch seine realistische Darstellung viel mehr als manch kitschig-verklärte oder romantische Weihnachtsszene. Die Gebäude sind wirklich ärmlich und heruntergekommen. In der Volkszählung zu Bethlehem findet man in der Mitte Maria und Joseph, sie auf einem Esel sitzend, in einen warmen Mantel gehüllt. Er hat Werkzeug dabei, eine Säge über der Schulter und ein Bohrer am Gürtel, was ihn als Zimmermann ausweist. Keiner nimmt Notiz von ihnen. Bei der Einschreibung in die Listen für die Volkszählung gibt es ein großes Gedränge, hier sind die Menschen. Der Stall ist in der Mitte rechts zu sehen, er ist aber wirklich baufällig. Ein Kreuz auf dem Dach weist auf den Fortgang der Geschichte hin.

Bei der Anbetung der Könige geschieht das Wichtigste ganz am Rand. Ganz links unten am Bildrand ist das Eigentliche zu sehen. Drei Könige kommen mit Geschenken, wertvolle Reittiere ziehen durchs Dorf, doch keiner nimmt wirklich Notiz. Alle im Dorf sind viel zu beschäftigt.

Dies ist kein prächtiges Bild und die Anordnung verwundert zuerst. Aber durch die Platzierung am Rand erfasst Brueghel das Ganze besser und deutlicher. Er hat die Weihnachtsgeschichte verstanden.

***

Sternblicke
glänzten mir nicht
durch die Nacht
der Tag
zog schwer vorüber an mir
die alten Geschichten
leuchteten nicht
und stumm blieb der Himmel
von Christkind und Krippe
gar nicht zu reden
weit weg hinter allem
ganz nah
bliebst du verborgen
und doch
höre ich findest du mich
Gott

Carola Moosbach