Archiv der Kategorie: erinnertes

Abgesang auf eine Fähre

Vorhin im Radio gehört: Die Fähre in Hassmersheim fuhr heute zum letzten Mal.

Schön, dass ich sie gerade noch erleben konnte. Im August überredete mich eine Freundin zu 3 Tagen Neckarsteig. (eine sehr empfehlenswerte Wanderroute, im übrigen). In Haßmersheim angekommen, war klar, dass wir mit der Fähre fahren würden, zumal die neue Brücke schon in Sicht war und wir wussten, dass die Fährverbindung bald beendet wird. Und wo ich doch so gerne Fähre fahre. Der Fährmann schenkte uns noch je eine Postkarte seiner Fähre „Wenn es Ihnen nicht zu schwer zum Tragen ist“.

 photo hassmersheimfaumlhre.jpg

Umso erstaunter war ich, auf dieser Postkarte zu lesen, dass es diese Fährverbindung seit 1320 gibt (nein, die Fähre ist etwas jünger… ). Fast 700 Jahre Fährverbindung an diesem Ort – mit Wehmut grüßen wir ein letztes Mal das „Fährle“ und erinnern uns gerne an die letzte Fahrt. Lebewohl.

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Früher war mehr Lametta

Was wären die Welt ohne Loriot? Undenkbar.  Wie schön, dass so viele Sprüche von ihm bleiben.

Die zwei besten Kommentare zum gestrigen Tag:
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und natürlich Herr Skizzenblog

Erinnerungsstücke IV

Ich habe geerbt! Eine Schatztruhe!

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Nein, nicht gefüllt mit Gold und Edelsteine, auch wenn es von weitem so ähnlich aussieht.

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Geerbt habe ich die Knopfkiste von meiner Oma, vielleicht ist sie sogar schon von meiner Uroma. Und damit ist diese Knopfkiste ein weiteres Erinnerungsstück an die Familie. Ich kann mich erinnern, mit diesen Knöpfen schon als kleines Kind gespielt zu haben. Manche kommen mir sogar noch bekannt vor, oder ich bilde es mir zumindest ein. Und wie damals wühle ich in den Knöpfen, fange an, die Knöpfe nach Farben und Muster zu sortieren und lege Knopfmuster aus.

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Nur rechnen lernen muss ich damit nicht mehr. Es sind Knöpfe aus allen Zeiten drin, bei manchen fragt man sich schon, auf welchem Kleid sie wohl mal getragen wurden. Wie viele Geschichten stecken alleine in diesen Knöpfen. Und ich mag sie gerne behalten…

 

Kindheitsträume aus heißer Luft

Mit ca. 12 Jahren bekam ich das beste Gericht meines Lebens zu essen, so dachte ich damals: Salzburger Nockerln*. Ein Süßspeisentraum, der aus welchem Grund auch nie wiederholt wurde. Ab und zu dachte ich noch daran, aber ich wusste weder woraus sie eigentlich bestehen, noch wie man sie macht. Ich bin einfach gar nicht auf die Idee gekommen, ein Rezept zu besorgen und es einfachmal  zu probieren. Ich wusste nur, Salzburger Nockerln sind kompliziert zu machen, vermutlich sehr teuer, kalorienreich und eigentlich nicht selbst zu machen. Was man halt so glaubt, wenn man über Kindheitsträume nicht nachdenkt.

Dabei ist es ganz einfach, schnell zu machen – und sie schmecken immer noch wunderbar. O.k. sooo traumhaft wie dieses eine Mal in Österreich werden sie nie wieder schmecken. Das ist das Los der Kindheitsträume. Aber dafür gibt es jetzt Salzburger Nockerln – so oft ich will.

Welcher Traum ist schon so einfach zu erfüllen? Auch wenn er nur aus heißer Luft besteht.

* Übrigens, fürs Geschichtsbuch: Salzburger Nockerln bestehen klassisch aus 3 Nockerln, die die 3 Hausberge versinnbildlichen: den Mönchsberg, den Kapuzinerberg und den Gaisberg. Die Legende sagt, dass das Gericht von der Mätresse des Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau erfunden wurde. Und der Spiegel weiß das Geheimnis der Salzburger Nockerl: Sie versinnbildlichen keineswegs nur drei lokale Berge, sondern Salzburg als Ganzes: eine süße, goldene Spezialität, weltberühmt, geliebt, begehrt, verklärt und teuer. Und vor allem aus heißer Luft bestehend. Wer könnte nein zu Salzburg sagen?

Erinnerungsstücke III – Erinnerungen ohne Dinge

Viele Erinnerungen habe ich an meine Großeltern. Seit neustem wohne ich in ihrer früheren Wohnung aber Dinge von ihnen gibt es dort wenig. Ich nenne es eher die Wohnung meiner Großmutter, denn als meine Großeltern noch gearbeitet haben, „wohnten“ sie dort nicht, da schliefen sie nur in dieser Wohnung.

Meine Großeltern hatten eine Bäckerei, gewohnt wurde im „Ladenstübchen“. Seit kurzem wohne ich nun in dieser Wohnung und mir ist die alte Wohnung mit Erinnerungen an so viele Dinge sehr präsent, es ist aber rein gar nichts mehr davon übrig:

  • die Troddel über dem Großelternbett, mit der man das Licht ausmachen konnte.
  • die Prilblumen in der Küche an den Fliesen.
  • die Musiktruhe mit Wechselplattenspieler – 10 Singles auf einmal, was für ein Luxus! Hier begann meine „musikalische Bildung“, mit so unterschiedlichen Stücken wie: Kalkutta liegt am Ganges … aber auch die kleine Nachtmusik.
  • das Bad mit den hellblauen Fliesen – ohne Heizung, dafür mit einem Heizstrahler, auch mit Schnur zum Ziehen …

… all dies ist nicht mehr vorhanden.

Die stärksten Kindheitserinnerungen an meine Grosseltern sind sowieso nicht Dinge. Beim Läuten der Kirchenglocken der Kirche in ihrer Nachbarschaft denke ich immer an die anderen Grosseltern, da werde ich förmlich in die Kindheit zurückgebeamt, an die Spieltage in ihrem großen Garten, mit Cousins und Kusinen (schreibt man das wirklich so?? Ich sag immer Vettern und Basen…) In dieser Kirche war ich noch gar nie, aber ihr Läuten verkörpert dennoch ein Stück Heimat für mich.

Und wenn ich nun in der neuen Wohnung abends im Bett liege, das Zimmer geht zur Straße hinaus, wenn dann in der Nacht ein Auto vorbeifährt und der Lichtschein der Autoscheinwerfer über die Zimmerdecke streift – dann werde ich wieder ganz klein und liege im Schlafzimmer meiner Großeltern, ich weiß, dass meine Großeltern noch im Wohnzimmmer sind und auf mich aufpassen und alles ist gut …