Ich steh an Deiner Krippe hier, 12. Tür

12. Tür

Das Wichtigste im Leben finden wir nicht etwa durch intensive Suche, sondern so, wie man etwa eine Muschel am Strand findet. Im Grunde findet es uns.
Unbekannt

„Wenn man das Unsichtbare begreifen will, muss man so tief wie möglich ins Sichtbare eindringen“.
Max Beckmann

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Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas ist kurz und knapp gehalten. Kein Wort ist zuviel, fast jedes kennt sie auswendig. Aber um sie begreifbar zu machen, wird ja immer wieder nach neuen Erzählungen gesucht. Oder nach neuen Medien. Und so geht auch diese Geschichte mit der Zeit:

So würde sie heute erzählt werden:

Und Josef ist auf Twitter zu finden.  Hier kann man es kompakt nachlesen.

Dieses Jahr kann man sich die Weihnachtsgeschichte auch per Whats App erzählen lassen. Seien Sie live dabei…

Hier bei der Evangelischen Kirche im Rheinland gibt es Weihnachten multimedial zu schauen und zu hören.

Aber welches Medium wir auch nehmen, es hängt von uns ab, wie wir diese Geschichte hören und sehen und begreifen. Und es hilft, sie auch mal gegen den Strich zu bürsten.

„Bei einem Weihnachtsgottesdienst, den ich vor ein paar Jahren hielt, hörte ich einen Jungen seufzen: „O Mann, die Geschichte kenn ich schon!“ Ich habe gelacht und gesagt: „Weißt du, du wirst sie jedes Jahr wieder hören am Heiligen Abend in der Kirche. Aber du wirst sie anders hören, weil du dich veränderst.“ So ist das mit Weihnachten: Jedes Jahr hören wir die Nachricht von Gottes Kommen auf die Erde wieder anders (…): weil wir uns verändern, unser Leben, weil die Welt anders wird.“
Margot Käßmann.

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Weihnachtsgesang im Kloster
(nach einer mündlichen Überlieferung)

Vor der Stadt lag ein Kloster. Als dort die Mönche noch jung gewesen waren, sangen sie mit voller Kehle die alten Melodien und waren dafür weit und breit bekannt gewesen. Jeden Sonntag pilgerten die Menschen aus der Stadt zu ihnen hinaus, um ihrem Gesang zu lauschen.
Über die Jahre waren die Mönche alt geworden und nur noch drei waren am Leben. Ihre Stimmen klangen nicht mehr jung und frisch, sie waren verbraucht. Der Eine traf nicht mehr den richtigen Ton, der Andere brummte nur noch vor sich hin. Und der Dritte konnte den Rhythmus nicht mehr halten: einmal sang er zu schnell voraus, das nächste Mal verschleppte er den Gesang. Es war ein Jammer. So wie sie selbst ein Bild des Jammers geworden waren, so war ihr Gesang nur noch kläglich. Auch die Menschen der Stadt blieben fort, weil der Gesang ihre Herzen nicht mehr mit Freude erfüllen konnte.

Nun stand Weihnachten vor der Tür. Am Heiligen Abend klopfte es an der Klosterpforte. Ein junger Mann bat um Einlass. Er sei ohne Geld und könne für die Unterbringung nichts geben, nur singen könne er gut. Die Mönche betrachteten ihn als Rettung für den Gesang in dieser Heiligen Nacht und für den nächsten Weihnachtstag. Und so war es auch. Der junge Mann sang und seine Stimme begeisterte alle. Am nächsten Morgen kam der Engel vorbei, der zu den Mönchen in jedem Jahr am Weihnachtstag gekommen war. Er machte ein betrübtes Gesicht und die Mönche fragten ihn nach dem Grund seiner Trauer.„Ich habe euren Gesang vermisst!“, gab er ihnen zur Antwort. „Das ist doch nicht möglich“, meinten die drei Mönche. „Wir hatten einen jungen Mann bei uns, der alle mit seinem Gesang froh gestimmt hat. Wir können selbst doch nicht mehr singen.“„Ich weiß“, sagte der Engel. „Aber es war immer der Klang eurer Stimmen, die haben jetzt gefehlt. Mit dem, wie ihr gesungen habt, nicht mehr klar und rein, hattet ihr Gott gefallen. Das war mehr wert als der Gesang an sich. Mit eurer Mühe und eurem Scheitern habt ihr Gott mehr gefallen als mit dem fremden Gesang in dieser Nacht.“

 

 

 

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