Ich steh an Deiner Krippe hier, 1. Tür

1. Tür

Jetzt also doch. Wenn ich schon fast ganz verstumme und nicht mehr reden mag, meine Weihnachtsgedanken gebe ich nicht auf. Und wenn ich auch wieder im Verzug bin. Dies hier ist wie immer, Gedanken – ungeordnet – drehen sich um ein Thema und ergeben dann doch irgendwann ein Bild. Mal nachdenklich, mal heiter. Und sicher auch mit Lücken. Diesmal gehen wir ganz nah ran, an die Weihnachtsgeschichte und an die Menschen.

Die Weihnachtsgeschichte – die Geschichte ist alt, und doch hören wir sie immer wieder neu. Und aktuell ist sie, handelt sie doch von unklaren Familienverhältnissen, von Obdachlosigkeit und Flucht, von sozialen Randgruppen und ausländischen Besuchern.

Gleichzeitig denken wir an die heilige Familie, an Familienidyll – aber war es so idyllisch? Wir hegen und pflegen die Vorstellung einer heilen Welt – gerade an Weihnachten. Diese Widersprüche sind da. Für mich ist die Adventszeit schon seit langem eine widersprüchliche Zeit – zum einen wird mit der Suche nach der perfekten Weihnachtsdekoration und dem perfekten Plätzchenrezept der Weg zum Familienparadies gesucht, zum anderen ist es die Zeit der Jahresendstimmung, der Hektik und der Überforderung. Wahrscheinlich sind es genau diese Widersprüche die Weihnachten ausmachen. Wärme und Kälte, Not und Idylle, Stress und Ruhe. Weihnachten war noch nie perfekt, aber wir können es jedes Jahr neu erleben und neu erfahren. An Weihnachten dreht es sich nicht um Weihnachtsdekoration sondern um Menschen.

***

Eine chassidische Geschichte
„Ein alter Rabbi fragte einst seine Schüler, wie man die Stunden bestimmt, in der die
Nacht endet und der Tag beginnt.
Ist es, wenn man von weitem einen Hund von einem
Schaf unterscheiden kann? fragte einer der
Schüler.
Nein, sagte der Rabbi.
Ist es, wenn man von weitem einen Dattel- von einem
Feigenbaum unterscheiden kann? fragte ein anderer.
Nein, sagte der Rabbi.
Aber wann ist es dann? fragten die Schüler.

Es ist dann,
wenn du in das Gesicht
irgendeines Menschen blicken kannst
und deine Schwester oder
deinen Bruder siehst.
Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“

***

***
frühere Adventskalender:

Adventsblicke, 2014
Oh je, Du liebe Weihnachtszeit, 2013
Es treibt der Wind, 2012
Und wir sehen schon den Stern, 2011
Engel, 2010
Unterwegs nach Weihnachten, 2009
Adventsgedanken, 2008
Türen öffnen, 2007
Gedanken zu Weihnachten, Warten 2006

4 Antworten zu “Ich steh an Deiner Krippe hier, 1. Tür

  1. Mir ist heuer überhaupt nicht „weihnachtlich“ zumute. Dass wir uns einerseits auf das sogenannte „Fest der Liebe und des Friedens“ vorbereiten, und andererseits anscheinend völlig ungerührt 1.200 Soldaten/innen in einen absolut widersinnigen, gefährlichen und dummen Kriegseinsatz ziehen lassen – das ist mir zu pervers, zu perfide…
    Die chassidische Geschichte gefällt mir sehr. Danke für’s Erzählen und Teilen.

  2. Liebe Margot, ich weiß gar nicht, ob es so wichtig ist, dass wir uns „weihnachtlich“ fühlen. Wir haben so eine Erwartungshaltung aufgebaut, dass alles stimmungsvoll sein soll, gutes Essen, Weihnachtsgerüche, schöne Musik, Schneefall, Glitzer. Das „echte“ Weihnachten war doch gar nicht weihnachtlich. Vielleicht hilft uns beiden dieser Gedanke, meinst Du nicht?

  3. mein Blog ist auch gerade im Ruhemodus. Aber ich nehme mir die Zeit, in mir lieben Blogs zu stöbern und in Ruhe zu lesen. Heute habe ich mit großer Freude deinen Adventskalender entdeckt. Ich liebe ihn schon seit Jahren. Mein Kaffee wurde heute darüber kalt…
    Vielen lieben Dank für deine Mühe – es ist ein Geschenk!

    Ellen

  4. vielen Dank, liebe Ellen und viel Spaß beim Stöbern.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s