Nachrichten-Hektik

Manchmal hat es auch Vorteile, wenn man beruflich so eingespannt ist. Die letzte Woche bestand praktisch nur aus Arbeiten, Arbeiten, Schlafen, Essen. Nicht viel Zeit für Nachrichten. Und ganz ehrlich, dies war sehr gut. Es ist schlimm genug, was passiert ist, deswegen reicht es, ab und zu im Radio die Nachrichten zu hören. Kein Fernsehen, keine Bilder von der Absturzstelle, keine News-Blogs mit alle zwei Minuten etwas Neuem – was doch nur eine Vermutung ist, keine Brennpunkte, die 5 Minuten Information auf eine Stunde aufblähen, keine Talkshows, keine Experteninterviews, keine Bildzeitungsschlagzeilen. Keine Diskussionen, wer „richtig“ und angemessen trauert. Vor allem keine Talk-Shows. Keine Talk-Shows.

Die Informationen bekommt man immer noch rechtzeitig. Mutmaßungen und Vorverurteilungen bekommt man so immer noch mit, aber es hält sich im Rahmen.

Es war eine gute Entscheidung. Und dies habe ich mir fest vorgenommen, bei allen kommenden Katastrophen werde ich es genauso handhaben.

Dies hat nichts mit Verweigerung zu tun aber mit Nachdenken, wie viel Informationen ich möchte und wann. Es ist jetzt einfach, auf die Medien zu schimpfen, wir treiben sie ja mit unserem Medien-Verhalten genauso dazu, immer noch schneller, noch emotionaler zu berichten. Ich will keine Bilder von trauernden Kindern schauen, wenn ich mir dabei klar mache, dass um diese Kinder herum 100 Fotografen stehen. Ich will keine schnellen Experten-Einschätzungen. Ich will auch keine schnellen Maßnahmen, mir ist es lieber, man denkt über Maßnahmen nach, wenn ein wenig zeitlicher Abstand auch Luft zum Denken lässt.

Bei jeder Katastrophe gilt: Wenn wir schnelle Lösungen fordern bekommen wir auch schnelle, unüberlegte Lösungen. Und Antworten auf die Fragen, weshalb eine solche Katastrophe passiert, bekommen wir auch nicht in den ersten Tagen und Stunden.

Vielleicht bekommen wir sie nie, das macht uns ja so verzweifelt. Wir müssen es aushalten, dass es auf Vieles keine Antworten gibt. Das ist schwer. Aber das Schwere versuchen auszuhalten ist besser als uns durch Pseudo-Informationen davon abzulenken. Ich hoffe, ich weiß dies auch noch bei der nächsten Katastrophe.

 

3 Antworten zu “Nachrichten-Hektik

  1. Was mich bei den Auswirkungen und dem Umgang mit diesem Flugzeugabsturz mit am meisten erschüttert, ist dieses Betroffenheits-Ranking, das derzeit grassiert, dieses gegeneinander Aufrechnen dieser Katastrophe mit Hungersnöten, Bürgerkriegen etc. Das Ermahnen mit dem hoch erhobenen moralischen Zeigefinger, das Werten und Be- und Verurteilen jener, die ihr Erschrecken, ihre Anteilnahme, ihre Gedanken zum Absturz des Airbusses zum Ausdruck bringen, so a la: „Kümmert euch gefälligst um die dringenderen Probleme dieser Welt!“

  2. Wie wahr! Das spricht mir aus der Seele und ich halte es genau so.
    LG, Ingrid

  3. Diese Frage, wozu das Ganze eigentlich, sollte viel öfter gestellt werden.
    (Manchmal bin ich sehr froh, daß ich unter einem Stein lebe: Kein Fernsehen und nur eine Wochenzeitung.)

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