Adventsblicke, 23. Tag

23. Tür

22. Tür: Kirche sind wir alle

„Die sichtbare Kirche ist ein Symbol für die unsichtbare Kirche“.

Der Adventskalender neigt sich dem Ende zu. Zu Kirchen gäbe es noch viel zu sagen, aber das war ja eh klar, dass so ein Adventskalender nur kleine Türchen öffnet und dass es noch viel zu entdecken gibt. Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen, mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, vielleicht gibt es sogar irgendwann noch eine Ergänzung, das Thema gibt ja noch genügend her.

Vielleicht schauen wir gegen Ende noch mal auf die Sprache. Das Wort Kirche hat ja eine doppelte Bedeutung. Es bedeutet zum einen das Gebäude aber auch die Gemeinschaft der Gläubigen:

„Das griechische Wort „ekklesia“, das für gewöhnlich mit „Kirche“ übersetzt wird, bezeichnete im frühen Christentum eine Menschengruppe, nämlich die Gemeinde der Gläubigen, und nicht einen neuen Typ von Sakralgebäuden. Es entspricht damit dem griechischen Wort „Synagoge“, das ursprünglich ebenfalls die „Zusammenkunft“, also die Verrsammlung der Frommen , bezeichnete und keine Name für eine Art von Gotteshaus war.“
Gottes Häuser, Johann Hinrich Claussen

Und vielleicht ist das, bei aller Entdeckerfreude, was in den Gebäuden steckt, die wichtigste Botschaft. Die Kirchen wurden von Menschen erbaut für andere Menschen. Kirche und Menschen gehören zusammen, die Kirche ist nichts ohne ihre Menschen. „Die“ Kirche gibt es nicht, wir sind alle Teil der Kirche.

***

Die Kirchen
sind nicht nützlich, nicht praktisch,
verlangen nicht nach unmittelbarer Aktion
und erfordern keine schnelle Antwort.
Sie sind Räume ohne laute Geräusche,
ungezügelte Bewegungen oder ungeduldige Gesten.

Sie sind stille Räume,
die meiste Zeit seltsam leer.
Sie sprechen eine andere Sprache
als die Welt um sie herum.
Sie möchten kein Museum sein.
Sie möchten uns einladen,
still zu sein,
zu sitzen oder zu knien,
aufmerksam zu hören
und mit unserem ganzen Wesen
auszuruhen.

Eine Stadt ohne
sorgsam gehütete leere Räume,
in denen die Stille, aus der alle Worte
erwachsen, zu spüren ist,
die Stille, die zu Taten ermuntert,
eine solche Stadt ist in Gefahr,
ihren wahren Mittelpunkt zu verlieren.

Henri J. M. Nouwen

3 Antworten zu “Adventsblicke, 23. Tag

  1. Schöne, wertvolle Adventsmomente hast du uns ermöglicht, Tine!
    Mir hat das so manche Tür geöffnet und so manchen überraschenden Ein- und Ausblick gewährt.
    Danke sage ich und lasse frohe Weihnachtsgrüsse da.
    Brigitte

  2. Ich mag das Gedicht. Kirchen sind anachronistisch; dafür liebe ich sie.

  3. Das ist ein schöner Satz, „Kirchen sind anachronistisch“. Anachronistisch und doch irgendwie zeitlos.

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