Adventsblicke, 4. Tag

4. Tür

4. Tür: Kirchtürme und Leuchttürme

An der Küste sind viele Kirchtürme gleichzeitig Leuchttürme. Irgendwie nachvollziehbar und auch sehr praktisch. Wenn ich daran denke, wie die Kirchtürme von Stralsund die Ansicht prägen – gerade vom Wasser aus, da stelle ich mir jedes Mal vor, um wie viel beeindruckender dies zu früheren Zeiten gewesen sein muss, was für eine Erleichterung, wenn nach monatelanger Fahrt die Kirchtürme am Horizont auftauchen.

Aber ist nicht jeder Kirchturm ein Leuchtturm – Leuchttürme des Glaubens? Er gibt Orientierung, Hoffnung, Zuversicht, zeigt, was wichtig ist. Die Kirchen stehen ganz bewusst in der Mitte der Stadt, neben dem Markt und den Einkaufsstraßen. Zeigen sie nicht somit, dass es noch mehr gibt als nur Kommerz, bieten sie nicht Ruheinseln im Durcheinander?

Leuchtturm Nieuw Haamstede

Ein Leuchtturm lebt vom Leuchtfeuer, solange dies brennt, kann man sich orientieren. Es muss lebendig bleiben und dabei gleichzeitig der Fixpunkt sein, an dem man sich orientieren kann. Die Kirche – also die Menschen in der Kirche müssen zum einen hinaus in die Welt, aber gleichzeitig braucht man den festen, unverrückbaren Orientierungspunkt, zu dem man immer wieder zurückkehren kann und an dem das Feuer am Brennen gehalten wird.

 

Westkapelle, Zeeland

***

Ein junger Mann hatte das Herumsitzen satt und wollte sich auf den Weg machen. Er hatte davon gehört, dass in einem fernen Land das Glück höchstpersönlich zu finden sei. Ein alter Mann, der behauptete, aus diesem Land zu stammen, hatte ihm davon erzählt.

„Es ist ganz leicht, dieses Land zu finden“, hatte er gesagt, „benutze einfach die Kirchtürme als Wegweiser. Sie zeigen dir, wo es lang geht.“ „Nun, wenn dies so einfach ist“, sagte sich der junge Mann, „dann will ich mich nicht länger mit Nichtstun aufhalten.“

Er machte sich auf den Weg und hielt dabei nach dem ersten Kirchturm Ausschau. Und tatsächlich, nach einer kurzen Strecke, sah er weit entfernt vor sich einen Kirchturm hoch in der Landschaft aufragen. Ohne zu zögern ging er diesem Kirchturm entgegen. Nach einigen Stunden hatte er das Dorf, in dem der Kirchturm stand, erreicht. Und als er diesen Kirchturm nur ein wenig bestieg, sah er bereits den Turm der Kirche aus dem Nachbarort. Von diesem aus zeigte sich wiederum der nächste Turm, und so ging seine Reise sehr zügig von Ort zu Ort, immer den Kirchtürmen folgend, die wie riesige Wegweiser weithin sichtbar in der Landschaft standen. Der junge Mann kam auf diese Weise in fremde Länder, die er zuvor noch nie gesehen hatte, die Kirchtürme hatten dort andere Formen und Gestalten, aber immer waren sie hoch aufgerichtet und von weitem zu sehen.

Doch in das Land, in dem das Glück höchstpersönlich wohnen sollte, kam er nicht. Nach und nach bekam der junge Mann Zweifel, ob das wirklich der richtige Weg war, um das Glück zu finden. Und wie der Zufall es wollte, gerade, als er die Reise aufgeben wollte, begegnete ihm wieder der alte Mann, der ihm zu dieser Suche Mut gemacht hatte. Der junge Mann klagte ihm sein Leid und die Vergeblichkeit seiner Reise, bei der ihm die Kirchtürme als Wegweiser dienten. Doch der alte Mann lächelte und sagte:
„Du willst eine Reise unternehmen und weißt nicht einmal, wie man Wegweiser benutzt? Nun, du bist zwar von Kirchturm zu Kirchturm gegangen, aber du hast nicht den Weg benutzt, den dir die Türme gewiesen haben: Schau hin! Alle Wegweiser-Kirchtürme zeigen – nach oben!“
Quelle unbekannt

2 Antworten zu “Adventsblicke, 4. Tag

  1. Geradezu wegweisend ist diese Advents-Besinnung in Sachen Türme!
    Ich nehme die Gedanken dann mal auf und mit in den Tag, danke!

    Lieben Gruss,
    Brigitte

  2. Ach, das schöne Stralsund mit einem Foto ohne Ozeaneum (zum Glück) ;-)

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