Adventsblicke, 3. Tag

3. Tür

3. Tür: Kirchtürme

Wenn wir an Kirchen denken, sehen wir eine Kirche mit einem Kirchturm vor uns. Schon von weitem ist die Kirche so sichtbar, gibt Orientierung und zeigt, wo sich das Herz der Stadt befindet. Die Silhouette einer Stadt ist ohne Kirchtürme nicht denkbar. Auf alten Stadtansichten sieht man vor allem Kirchtürme und die Stadtmauer mit ihren Toren und Türmen. Turme als Schutz und Türme als Wahrzeichen der Stadt sowie zur Ehre Gottes.

Doch war dies nicht immer so. Bei den frühen Kirchen galt der Turm nicht als architektonisches Zeichen der Frömmigkeit sondern als Zeichen der Selbstüberhebung des Menschen, der in den Himmel greifen will. Man denke nur an den Turmbau zu Babel.

Später erkannte man durchaus den Nutzen, den ein Kirchturm hat: Nicht nur als Wachtturm oder Glockenturm, als Schutzturm oder später Uhrenturm, nein, vor allem zur Repräsentation. Zur Ehre Gottes aber auch zur Ehre des Bischofs, der Stadt oder der Erbauer. Selbstbewusst erheben sich die Türme über die Stadt. Oft gerade die Bürgerkirchen wie die Kapellenkirche in Rottweil oder die Frauenkirche in Esslingen, also Kirchen, die von der Bürgerschaft gespendet wurden. Hier stellen sich die Stadt und ihre Bürger dar.

Frauenkirche Esslingen
Frauenkirche in Esslingen

Rottweil
Kapellenkirche in Rottweil

Kein Wunder, dass es zu allen Zeiten das Bestreben gab, den „höchsten Turm der Christenheit“ zu bauen, wie es die Straßburger lange Zeit von sich sagten. Auch Ulm und Köln stritten im 19. Jahrhundert darum, wer nun den höchsten Turm baut? Gewonnen hat Ulm.

Auch heute gilt ja vor allem das höher-schneller-weiter. Doch kein Turm ist dauerhaft der höchste, es sind nur Momentaufnahmen.

Deswegen kam es bei den Reformbewegungen der Bettelorden zur Auflage, Kirchen nur noch mit Dachreiter zu bauen. Bedeutung kann auch durch eine schöne Ausführung gezeigt werden und durch gute Proportionen.

Esslinger Kirchen von der Neckarhalde
links die Dominikanerkirche St. Paul in Esslingen mit Dachreiter

 

Bebenhausen
Doch auch bei den Bettelorden gab es unterschiedliche Auslegungen von Schlichtheit, der Bebenhäusener Dachreiter ist nun doch fast schon wieder ein Kirchturm geworden.

Kirchtürme wurden aus verschiedensten Gründen gebaut, doch immer noch sind und bleiben sie Wahrzeichen von Kirche und Stadt. Eine Stadtansicht ohne Kirchen ist nicht denkbar, was wäre Köln ohne den Kölner Dom?

***

Kirchtürme: umgekehrte Trichter,
das Gebet in den Himmel zu leiten.

Georg Christoph Lichtenberg

 

 

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Eine Antwort zu “Adventsblicke, 3. Tag

  1. Mal abgesehen von dem, was möglicherweise an Gedanken und Bestrebungen dahinter steckt/steckte, wir freuen uns immer, wenn wir einen Ort sehen, wo ‚die Kirche noch im Dorf ist‘, wo es einen Mittelpunkt gibt, der dem Ganzen Struktur gibt. Von mir aus könnte das auch eine Burg sein, Hauptsache kein Siedlungsbrei.
    Tja – und Köln wäre nicht die Domstadt …

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