Adventsblicke, 1. Tag

1. Tür

1. Tür: kräht der Hahn auf dem Dach

Wie immer kommt der Advent überraschend und wie immer habe ich 2 Tage vorher noch keine Idee, was ich im Advent schreiben werde. Aber die Themen finden mich. Dieses Mal war es der junge Praktikant, der fragte, weshalb auf Kirchen eigentlich ein Hahn und kein Kreuz zu sehen ist? Wir kratzen also zusammen, dass Jesus Petrus prophezeit hat, ehe der Hahn kräht, wirst Du mich dreimal verleugnen. Und so geschah es auch, Petrus hing sein Mäntelchen in den Wind und verleugnete ihn. Aber was hat nun diese Geschichte auf der Kirchturmspitze zu suchen? Als Mahnung, sich nicht mit dem Wind zu drehen?

Es ist noch mehr, der Hahn ist der erste, der das Ende der Nacht ankündigt. Schon bei den Römern und Germanen galt er deswegen als Lichtsymbol. „Der Hahn kündigt den Morgen an und steht für die Auferstehung”, heißt es.

Und so ist der Bogen geschlagen zur Adventszeit. In der tiefsten Dunkelheit ist man alleine. Doch wenn der Hahn kräht, weiß man, es wird bald wieder Tag. Es werde Licht.

Wetterhahn

„Die Dunkelheit
hat nicht das letzte Wort“ –
so hörte ich einmal.
Da ist mir ein Licht aufgegangen.

Ursula Weßner

Und so zeigte uns der Blick auf die Kirchturmspitze, dass oft mehr dahinter steckt, als wir im ersten Blick erkennen. Auch dies ist ja Advent. Genau hinschauen, immer wieder das Bekannte neu entdecken, neue Adventsblicke wagen. So will ich mich dieses Jahr rund um die Kirche und Kirchen bewegen und immer wieder neu hinschauen. Meinen Blick nach oben und unten schweifen lassen, wie immer nicht systematisch, ein wenig geleitet vom Zufall.

Hinschauen, das Licht suchen und wenn wir kein Licht finden, darauf warten, dass der Hahn kräht und die Nacht nicht mehr lange ist.

***
frühere Adventskalender:

Oh je, Du liebe Weihnachtszeit, 2013
Es treibt der Wind, 2012
Und wir sehen schon den Stern, 2011
Engel, 2010
Unterwegs nach Weihnachten, 2009
Adventsgedanken, 2008
Türen öffnen, 2007
Gedanken zu Weihnachten, Warten 2006

6 Antworten zu “Adventsblicke, 1. Tag

  1. Vielen Dank für die Erklärung, warum auf so vielen Turmspitzen Hähne zu sehen sind. Ich wusste das bislang noch nicht.

  2. Wundervoll wieder, dein Advents-Kalender, Tine! Das Thema ist echt spannend und meine Vorfreude auf die weiteren Türchen überaus gross!

    Dir einen schönen, freudigen Advent und ganz liebe Grüsse,
    Brigitte

  3. Ach, DAS ist ja interessant. Ich las nämlich gerade ein Buch über den Dom und seine ‚Geheimnisse‘. Der Hahn kam zwar nicht vor, aber wenn ich der Theorie des Autors glauben darf, ist im und am Dom ganz viel heidnisches zu finden. Der Vierungsturm hat übrigens auch kein Kreuz, sondern einen Stern. Das Ganze hat viel mit dem Sonnengott Mithras zu tun, der dort – und nicht nur dort – ein Heiligtum hatte. Die christliche Kirche konnte wohl damals nicht anders als dem Naturglauben der Menschen Zugeständnisse zu machen. Da passt jetzt der Hahn ganz wunderbar dazu.
    Liebe Grüße, Ingrid

    P.S. Ich freue mich, dass du wieder einen Adventskalender hast.

    • oh, den Kommentar habe ich jetzt erst entdeckt. Klar ist ganz viel heidnisches in der ganzen Religion, schon viele christliche Bilder stammen aus Vorgängerreligionen, von der Jungfrauengeburt angefangen über den Mithraskult über Ideen aus dem Zoroastristmus bis hin zu den Anpassungen an die germanischen Kulte. Insofern ist sicher auch an den Kirchen ganz viel Bauliches zu finden, was frühere Vorstellungen einbindet. Ich muss immer lachen, wenn es heißt, wir können die Religionen doch nicht dem „Zeitgeschmack“ anpassen, dies ist immer über alle Jahrhunderte passiert. vieles, was unsere Religion heute ausmacht, ist erst im Mittelalter entstanden und anderes sind Jahrtausende alte Vorstellungen, die es schon lange vor dem Judentum gab. Es wird sich immer wandeln, solange der Kern bleibt. Nur was ist der Kern?

      • Keine Ahnung, manches wird für immer ein Geheimnis bleiben, so wie der Tod und was danach mit dem passiert, was wir ‚Seele‘ nennen.

        Aber ich bin ja auch nicht religiös. Allerdings scheint mir dass manche Menschen eine Leitlinie an Werten brauchen bzw. brauchten.

  4. Pingback: Ich steh an Deiner Krippe hier, 1. Tür | Doppelblog's Weblog

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