Neue Einkaufscenter braucht das Land

Seit gestern gibt es also in Stuttgart zwei neue Einkaufscenter. Weitere werden folgen, in Stuttgart und im Umland. Eigentlich ist es müßig, dazu noch etwas zu sagen. Zumal es ja interessant ist, dass schon vor der Eröffnung fast nur Negatives geschrieben wurde, dass es keiner genehmigt haben wollte und dass schon vor der Eröffnung zugegeben wurde:

 „mit dem Wissen und dem Erleben der vergangenen Jahre würde man das A-1-Areal am Bahnhof so nicht mehr aufsiedeln“

nur, was weiß man heute mehr?? die Fakten sind schon lange bekannt.

Witzig finde ich auch, wie schnell die Zeitungen am Tag nach der Eröffnung über Erfolg oder Misserfolg eines Einkaufscenters spekulieren. Man kann über den Erfolg des Eröffnungstages reden, über die Zahl der Neugierigen am ersten Tag. aber ob ein Einkaufscenter angenommen wird, ob Leute nur zum Gucken oder zum Kaufen kommen und vor allem, welche Auswirkungen sich für die Stadt und das Umland ergeben, das wird sich erst weisen.

Gefährlich finde ich vor allem, dass eine solche Konzentration von neuen Einkaufsflächen nur weitere Einkaufsflächen nach sich zieht. Ob das gut oder schlecht ist, wird unterschiedlich gesehen. So steht es in den Stuttgarter Nachrichten*:

„Blutet der Handel in der Region aus?
Esslingens OB Jürgen Zieger befürchtet eine „Kannibalisierung“ im Handel der Region. Andrea Poul widerspricht: „Konkurrenz belebt das Geschäft. Die Städte der Region haben die Chance, selber aufzurüsten.“ Sie verweist auf Böblingen, wo jüngst das Einkaufszentrum Mercaden eröffnet hat. „

*dies verkauft die Stuttgarter Nachrichten uns übrigens unter Fakten zum Milaneo…. (besser kein Kommentar dazu)

Genau diese – angeblich so positive Entwicklung – ist ja das Problem. Hier wird ja nicht umsonst die Vokabel des Aufrüstens verwendet.

Klar, auch Wangen und Zuffenhausen und Gablenberg und Untertürkheim und Uhlbach bauen sich ein Einkaufscenter und dann ist alles gut…. Es geht alles zu Lasten der kleinen Städte oder der Vororte. Gerade die Stadt Stuttgart hat eine Verantwortung für seine Vororte, die sie momentan noch nicht wahrnimmt. Und was sich dann im Umland so entwickelt, wird man ja sehen.

Wir haben schon jetzt sehr viel Einkaufsfläche. „Mit fast 1,4 Quadratmetern besitzt Deutschland schon jetzt rund doppelt so viel Verkaufsfläche pro Einwohner wie England, Frankreich oder Italien“ sagt das Handelsblatt.

Und schon vor über 15 Jahren sagte Prof. Dr. Ulrich Hieber auf einer Tagung :

„Für jeden zukünftig entstehenden Quadratmeter Einkaufsfläche wird irgendwo anders ein Quadratmeter verschwinden.“
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Wir rutschen damit in eine Aufrüstungsspirale. Hat sich eigentlich schon mal jemand überlegt, was wir mit all den Einkaufscentern machen, wenn sie in die Jahre gekommen sind? Unsere Altstädte sind entwicklungsfähig, im Laufe der Jahrhunderte wurden Gebäude immer wieder angepasst, aufgestockt, umgebaut und den wechselnden Nutzungen angepasst. Bei den großen Einkaufscentern fällt später nur der Abriss ein. Und was dann mit den Wohnungen auf dem Milaneo?

Ich habe übrigens nichts gegen Einkaufscenter. Nur müssen sie in Größe, Lage und Offenheit gegenüber der Stadt angepasst sein. Was eben meistens nicht der Fall ist. Und man muss sich über die Folgen klarsein.

Was mich aber noch stört, kommt im zweiten Teil.

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s