Und der Dicke Turm freut sich

Der jährliche Denkmaltag frisst ja schon viele Kräfte und Energien bei mir. Jedes Jahr ein neues Thema, Hunderte von Leuten sind zu koordinieren, viele, viele Befindlichkeiten sind zu berücksichtigen und dann noch eine in großen Teilen im Freien stattfindende Veranstaltung in diesen unsicheren Wetter-Zeiten.

Aber jedes Mal freut es mich aufs Neue, wie das Ganze dann funktioniert, sich zu einem Ganzen einfügt und einfach nur schön wird. Viele alteingesessene Esslinger kommen jedes Jahr zu Führungen und entdecken schon wieder etwas Neues. Ich zeige einen Giebel, ein Detail, ein Fenster – und viele sagen: das habe ich ja noch nie gesehen. Unser Blick wandert im Alltag auf gewohnten Wegen, wo ist der Laden, wann kommt der Bus, kann ich die Straße überqueren, was gibt es Neues im Schaufenster? Die Führungen lernen neu zu sehen und neu zu bewerten.

Die vielen Hausbesitzer, die bereit sind, Ihr Denkmal zu zeigen, die bereit sind an einem solchen Tag selbst ihr Wohnzimmer zu öffnen. Oder die Stunde um Stunde immer wieder neuen Besuchern die freigelegte Wandmalerei zeigen.

Die Kinderstadtführer, die dieses Jahr das erste Mal Stadtführungen machen. So ist mir um den Stadtführer-Nachwuchs nicht mehr bange.

Die vielen Veranstaltungen für Alt und Jung, Kinderführungen, Spezialführungen, Überblicksführungen, Werkstattführungen, offene Häuser, Blindenführungen – es ist für jeden etwas dabei.

Das Wetter, das doch j e d e s m a l gut ist. Trotz Bangen vorher.

Die vielen Gespräche, vor und nach den Stadtführungen. Der Wert von solchen Veranstaltungen bewegt sich ja auch im Aufeinandertreffen von Menschen. Deswegen ist uns der Essensstand am Marktplatz so wichtig. Das Verständnis für Denkmalpflege kann an einem solchen Tag leichter geweckt werden.

Die vielen Menschen, die sich für Denkmale einsetzen. Jedes Jahr gibt es wieder eine Gruppe von Menschen, die Mühe und Zeit investieren, sich für ein gefährdetes oder leer stehendes Denkmal einzusetzen. Denn Denkmale sind vielfach gefährdet, ob marode Weinbergmauern, teure Sanierungen an Kirchen, Neubaupläne, die Baudenkmale einfach wegradieren wollen, oder auch leer stehende Wahrzeichen einer Stadt wie der Dicke Turm. Hier hat sich mit unglaublichem Einsatz eine kleine Gruppe, die Turmwächter, bereit erklärt, auf diesen Turm aufmerksam zu machen. Die Esslinger spüren sehr wohl, dass es ein Wahrzeichen, das nicht genutzt wird, auf Dauer schwer hat. Sie nehmen wahr, dass Denkmale nicht nur einen rechnerischen Wert haben (der oft gegen Null geht) aber auch einen ideellen Wert. Sie verstehen, dass es kein Zeichen von Rückständigkeit ist, sich für Vergangenes einzusetzen.

der Dicke Turm am Denkmaltag

Und der Dicke Turm thront über der Stadt und freut sich.

3 Antworten zu “Und der Dicke Turm freut sich

  1. Mir gefällt der Dicke Turm sehr. Ich hoffe, daß er Esslingen noch sehr lange erhalten bleibt. Und alles Gute für den Großen Tag des Denkmals!

  2. Da hat sich zur Feier des Tages eine extradicke Wolke hinter dem Dicken Turm aufgebaut. Sehr hübsch.

  3. vor allem hat sich sehr überraschend die Sonne gezeigt. Es bewahrheitet sich doch, dass es bei uns IMMER am Denkmaltag schön Wetter gibt.
    Aber die Wolke ist wirklich fotogen, das fand ich auch.

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