Oh je, Du liebe Weihnachtszeit 15

Der Zug der Zeit ist ein Zug, der seine Schienen vor sich herrollt. Der Fluss der Zeit ist ein Fluss, der seine Ufer mitführt. Der Mitreisende bewegt sich zwischen festen Wänden auf festem Boden; aber Boden und Wände werden von den Bewegungen der Reisenden unmerklich auf das lebhafteste mitbewegt.
Robert Musil (Der Mann ohne Eigenschaften)

Du liebe Zeit 15

Die Zeit ist nur der Fluß, in dem ich angle.
Henry David Thoreau (1817 – 1862)

***

Nicht der Fluß fließt, sondern das Wasser. Nicht die Jahre vergehen, sondern wir.
Hervé Bazin

Was ist die Zeit für uns? Ist es das Rad der Zeit? Ist die Zeit eingebunden in immer wiederkehrende Abläufe, in den Rhythmus von Tag und Nacht, Frühling, Sommer, Herbst und Winter? Nicht beeinflussbar aber dadurch, dass sie immer wiederkehren, ist man tröstlich eingebunden in den Rhythmus des Lebens.

Oder sind die immer wiederkehrenden Rythmen ein Schrecken, ist jeden Tag „Murmeltiertag“? Ist das Rad der Zeit ein Rad, das vorwärts rollt oder ein Rad, das sich auf der Stelle dreht?

Oder ist die Zeit ein lineares Vorrücken, ein Zeitfluss, der einmal vorbeifließt und nicht wiederkehrt? Ist sie eine Maschine, wie eine Eisenbahn, die sich immer weiter fortbewegt und immer weiter vorwärts schreitet. Dies ist der Gedanke des ewigen Fortschritts, alles wird immer besser, schneller, wir schreiten unaufhörlich vorwärts, es gibt kein Zurück. Die Geschichtsschreibung vertrat ja lange Zeit diese Ansicht, jede Zeit ist besser als die vorangegangene. Ich bin mir nicht so sicher, ob man von dies von unserer Zeit auch sagen wird.

Oder lebe ich mein Leben in wachsenden Ringen? Für mich ein tröstlicher Gedanke.

Oder was ist die Zeit für uns?

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Rainer Maria Rilke

 photo wachstumsringe3.jpg

Es ist gut, wenn uns die verrinnende Zeit nicht als etwas erscheint, was sich verbraucht, sondern etwas, das uns vollendet.

Antoine de Saint-Exupéry

4 Antworten zu “Oh je, Du liebe Weihnachtszeit 15

  1. Wie schön das alles Saint-Exupéry sieht! Hat mir gerade als Abschluss, als mir der Kopf schwirrte, sehr gut gefallen und mich wieder geerdet!

    liebe Grüße zum 3. Advent!

    Ellen

  2. Wie schön, diese Mäandernden Gedanken! Und wie gut, dass man das Verstreichen der Zeit sowohl so als auch so betrachten kann. Klar, dass uns dabei die tröstlichen Zugänge lieber sind. Aber auch die sehr reale Aussage von Hervé Bazin mag ich.
    Danke für die schönen Texte! Lieben Gruss,
    Brigitte

  3. …mäandernden… !

  4. ja, Ellen, je länger wir über die Zeit nachdenken, desto unbegreiflicher wird sie. Das wusste schon Augustinus: „Was also ist die Zeit? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es. Wenn ich es einem erklären will, der danach fragt, weiß ich es nicht.“

    Brigitte, über Zeit kann man, glaube ich, gar nicht anders als mäandernd nachdenken.

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