Von Neidern und Wutbürgern. Und von Neuschwanstein.

vorweg: Der Auslöser für diesen Post war ein Tweet, bei dem es um Neid ging und der sarkastisch gemeint war. Das habe ich schlichtweg falsch verstanden. Wie das halt so manchmal ist mit Ironie und Sarkasmus. Aber da ich im Umfeld tatsächlich ähnliche Äußerungen hörte, passt der Text sehr wohl.

Die einen überbieten sich jetzt in Witz und Häme über den Limburger Bischof. Andere halten sich jetzt an Details fest (die Badewanne! der Adventskranz!) Wieder andere reduzieren es auf eine Neid-Debatte. Wie damals bei Wulff. Ich glaube, dies ist alles zu kurz gegriffen. Zufällig bin ich kurz vorher über einen Artikel gegen die „Wutbürger“ gestolpert. Für mich ein sehr unsäglicher Begriff, wirklich ein Unwort. Genauso wie die „Neid-Debatte“. Es reduziert eine echte und tiefe Empörung auf bloßen Egoismus. „Ich bin dagegen, dass gebaut wird, weil es mich belästigt.“ „Ich bin dagegen, dass er dies tut, weil ich es ihm nicht gönne.“ Klar gibt es das, aber so sind doch nicht alle. Und solche Begriffe sollen Diskussionen im Keim ersticken.

Es geht nicht wirklich um Neid. Es geht um Angemessenheit und Transparenz. Weshalb die Kosten bewusst verschleiert versteckt wurden? Woher das Geld eigentlich stammt? Weshalb die ganze Geschichte erst jetzt ein Thema wurde? Wofür steht ein Bischof?

Und als Architekt frage ich mich noch viel mehr: Ob ein mit ursprünglich 147 qm geplanter Bau auf einmal 2.000 qm groß sein muss?

Weshalb über 10 verschiedene Architekten, unzählige Gutachten, unzählige Umplanungen sein mussten? Weshalb hier in Limburg auf dem Domberg, an einem besonders denkmalträchtigen Ort so große Eingriffe sein mussten? Wurde hier mit den denkmalgeschützten Gebäuden ausreichend behutsam umgegangen? (Beeindruckend dieses Luftbild) Ich bezweifle es sehr, wenn ich sehe, wie mit den Kosten umgegangen wurde, da wurde doch nicht Rücksicht auf den Denkmalschutz genommen? Aber das sind nur die Fragen am Rande.

Und es ist zu kurz gegriffen, hier zu sagen, er ist entweder krank oder verrückt. Jetzt diskutiert man jedes einzelne Detail. Wann wird über Strukturen diskutiert? Was sind das für Strukturen, die so etwas ermöglichen? Wieso kann ein Bischof wie ein König von Deutschland in seinem Bistum regieren? Wie will sich die Kirche nach außen zeigen? Was ist der Kirche wichtig? Geht es vor allem um Macht? Geht es um Ansehen und Prestige? Das sind für mich die eigentlichen Fragen.

Übrigens:
„Die Touristen kommen plötzlich gucken.“ Wer weiß, womöglich profitiert Limburg am Ende sogar noch von seinem prunksüchtigen Bischof.“

Das Ganze wirkt auf mich wie Neuschwanstein.

Aber davon abgesehen, Limburg ist wirklich eine Besichtigung wert. Unglaublich spannende Gebäude. Zusammen mit Esslingen haben sie wahrscheinlich die meisten Fachwerkgebäude aus dem 13. Jahrhundert. Die Altstadt lagert sich um den Domberg, ganz oben thront der Dom, für viele noch ungewohnt in seiner (wieder) bunten Bemalung. Durchaus sehenswert. Nicht nur das Schloss Neuschwanstein die Bischofsresidenz sondern auch der Rest.

Nachtrag:

Eine schönen Beitrag über die Burg Limburg, der direkte Nachbar gibt es hier im Burgerbe-Blog

 

6 Antworten zu “Von Neidern und Wutbürgern. Und von Neuschwanstein.

  1. Limburg ist wunderschön, und würde ich nur 5 Kilometer weiter wohnen wäre er mein Bischoff. Sein Vorgänger hatte den Ruf eines Heiligen. Ein bescheidener Mensch,der eine Flüchtlingsfamilie in seiner Wohnung hat wohnen lassen. Sie sei ihm zu groß. Vom Neuen hieß es, er sei von Rom durchgedrückt worden. Jedenfalls hatte er schon einen denkbar schlechten Start. Gehört hat man, dass er kein guter Arbeitgeber sei, kein Hirte, kein herzerwärmender Mensch.
    Ja gut, das ist nicht jeder.
    Aber dass soviel Geld da war, ist schon verwunderlich.
    Die Gemeinden müssen sparen, wo es nur geht und er macht auf Deko.
    Es geht um seine Einstellung zu den Menschen in seinem Bistum. Und sie empfinden das ganze als Verachtung. Ich glaube aber nicht, dass er das so gemeint hat. Er nimmt es einfach nicht wahr. Aber Security hat die Baustelle bewacht, seit Jahren. Scheint nicht ganz so arglos zu sein.Und an Offenheit fehlt es ihm, und an Tranzparenz. Er istschon selbst ein Stück Mittelalter.

    Limburg ist wirklich wunderschön, und der Dom ein Schmuckstück.

  2. Heute Abend habe ich im TV eine Aufstellung gesehen, die glaubwürdig bewies, dass da jeder Punkt des immensen Bauvorhabens gesondert aufgeführt worden war, so dass im Einzelnen niemals die Summe von € 5 Millionen überschritten wurde – dann hätte der Herr Bischof nämlich die Genehmigung des Vatikans einholen müssen, wenn ich das recht verstanden habe… So etwas zeugt für mich schon von einer überaus durchtriebenen Raffinesse, einer – nun, ja – quasi verbrecherischen Energie…

  3. Sehr richtig: es geht um Angemessenheit, um Transparenz, darum, dass man das, was man ‚predigt‘, auch selbst vorlebt, dass man sich zumindest bemüht. Jeder macht Fehler, aber nicht solche. Das zeugt von einer Überheblichkeit jenseits aller Vorstellungen. Dass dann noch das Neid-Argument kommt oder: ‚wenn einer am Boden liegt, schlägt man nicht noch drauf‘ (wie gestern Abend bei Jauch), das halte ich für ‚Totschlagargumente‘. T-v-E hat ja noch nicht mal Einsicht geschweige denn eine Entschuldigung … gelogen hat er auch, der Bischof, tz.

  4. oh, Danke fürs Verlinken. Die SZ hat schon recht: In 500 Jahren wird das ein richtiger Touristenmagnet.

  5. Ich habe oben noch einen schönen Beitrag über die Burg nebenan verlinkt. Da könnte man das Geld gut gebrauchen.

    @Croco: stimmt, durch den krassen Gegensatz zum Vorgänger wirkt es natürlich doppelt schlimm.
    @Franka: stimmt, die Blogroll ist schon lange nicht mehr aktualisiert, ich hole es bald nach

    Und ja, es geht um die Einstellung zu den Menschen. In der Kirche, nicht nur bei ihm.

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