Es treibt der Wind, Adventsgedanken 11

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Der Wind weht auch bis hinein in die Sprache und hinterlässt auch in vielen Sprichwörtern seine Spuren: Ich kämpfe gegen Windmühlen, bin wie ein Fähnchen im Wind, bin ganz durch den Wind.

Am allerschönsten ist aber das Sprichwort:
Es zieht wie Hechtsuppe. Allein schon dieses Bild.
Und wenn man sich mal auf die Suche macht, woher es kommt, dann landet man wie so oft bei Sprichwörtern – nein, nicht im Mittelalter, man landet beim Jiddischen.
hech supha“ heißt ein starker Wind oder wie ein Sturmwind.

Die Hechtsuppe ist also nur eine Verballhornung eines jiddischen Satzes, wie es ja noch so viele gibt: Den guten Rutsch kennen die meisten (Das jüdische Neujahr heißt Rosch ha Schanah, wörtlich übersetzt „Kopf des Jahres“. Auf Jiddisch wünscht man sich in der Zeit vor und nach dem Feiertag „a git Rosch“ (einen guten Kopf). Man kann davon ausgehen, dass der „gute Rutsch“ aus einem weitläufig missverstandenen „git Rosch“ entstand.)
Hals- und Beinbruch ist auch noch bekannt (jiddisch: „hatsloche un broche“ heißt Glück und Segen), aber dass es sich beim Most, den der Barthel holt nicht um ein Getränk sondern um das jiddische Wort für Geld handelt, weiß schon nicht mehr jeder. (Klar, ohne Moos nix los) Und den  Pleitegeier, den hätte ich nun nicht als jiddisch erkannt. (Plejte = Flucht, Gejer = Geher, Läufer)

Am meisten verblüfft hat mich unter aller Sau – dies Kommt vom jiddischen „seo“ = Maßstab.

 

Jetzt hat mich der Wind aber ganz schön abgetrieben, ich wollte ja über windige Sprichwörter reden. Egal, auf jeden Fall finde ich es sehr schön, dass noch so viel Jiddisches in unserer Sprache enthalten ist, wenn auch manchmal hinter den 4 Winden versteckt.

Und wenn es zieht wie Hechtsuppe,  so braust also die Windsbraut – wie stürmisch und wie schön.

***

Windpost

Und meine Stimme suchte den Wind,
um dein Ohr zu berühren.

(Pablo Neruda)

5 Antworten zu “Es treibt der Wind, Adventsgedanken 11

  1. Wie schön dein Post – und zum Dahinschmelzen auch der Neruda-Satz!

    Einen schönen Tag in allen vier Winden!
    Gruss, Brigitte

  2. Nicht nur ein schönes Foto. Ich mag es, wenn das Perfekte durch das, was daneben ist, ‚zurecht gerückt‘ wird. Dass dich der Wind ein wenig auf Nebenwege geweht hat, finde ich sehr gut. Andernfalls hätte ich nie über die Herkunft dieser Sprichwörter erfahren. Danke für diesen tollen Artikel.

  3. Ein interessanter Adventskalender, den ich eben über Franca gefunden habe.
    Die Kraft des Windes empfinden wir meist als negativ, aber er hält alles in Bewegung.

    Danke für deine schönen Gedanken.

    LG Anna-Lena

  4. Ich finde deine Wind-Drift auf Nebenwege auch ganz großartig – ich danke dir, denn da habe ich wieder so einiges lernen und erfahren dürfen…

  5. Danke Euch, ich find’s ja auch immer spannend, wohin der Wind mich treibt.

    Franka, Bei dem Foto habe ich absichtlich das Drumherum nicht weggeschnitten, es gibt noch eine bereinigte Fassung. Aber ich mag auch dieses Nebeneinander von Schönheit und Pragmatismus.

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