Es treibt der Wind, Adventsgedanken 4

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Es hingen schon so viele Mäntel im Wind, dass er nicht wehen konnte.
Manfred Hinrich

Zwei Bücher zum Thema habe ich die letzte Zeit gelesen, zum einen Scott Huler, „Defining the Wind“, auf Deutsch: „Die Sprache des Windes“. Zum anderen Dava Sobel: „Längengrad. Die wahre Geschichte eines einsamen Genies, welches das größte wissenschaftliche Problem seiner Zeit löste.“ Scott Huler schreibt über die Beaufort-Skala, also die heute noch gebräuchliche Skala zum Messen von Windgeschwindigkeiten. Er entdeckt sie zufällig und ist begeistert über ihre knappe, fast poetische Sprache. Es ist keine Biografie von Beaufort, es ist ein Kreisen um die Windskala und das Beobachten des Windes. Er geht auch nicht wirklich systematisch vor, schreibt über seine Schwierigkeiten bei der Recherche, das macht das Buch aber sympathisch. Soviel zum Werbeblock, Leute lest Bücher.

Zurück zur Windskala. Man kann ja den Wind selbst nicht sehen, nur seine Auswirkungen. So sprechen wir also nicht über Wind, wir sprechen über Segel und Bäume und Mäntel im Wind und Windmühlen. Wir sehen die Blätter, die sich bewegen, wir spüren den Wind auf der Haut, mal angenehm frisch, mal eisig kalt, wir hören ihn, wenn er uns um die Ohren pfeift. Wir spüren es, wenn uns die Dachziegel oder Äste auf den Kopf fallen.

Das Besondere der Beaufort-Skala ist nicht einfach nur die Einteilung nach Windgeschwindigkeiten, die man mit Geräten messen muss. Jedermann kann anhand der Beschreibungen die Windstärken einteilen. Ich muss nicht messen, ich muss nur genau beobachten und einteilen. Oft gibt es erklärende Zeichnungen dazu, die schönste, weil schlichteste, ist hier zu finden: (im pdf auf Seite 19) Eine ungarische mit     Vögeln gibt es hier,  und eine weitere hier.

Die Windskala regt an, selbst zu beobachten, genau hinzusehen. Nach ihrem Vorbild wurden eine Menge anderer Skalen entwickelt, alle so, dass ein Laie sie anwenden kann, ohne komplizierte Geräte besitzen zu müssen.

Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Weihnachtsstimmungs-Skala. Weihnachtsstimmung 1: einzelne Weihnachtsmänner hängen an den Fassaden, die ersten Kerzen brennen. Weihnachtsstimmung 10: Die Menschen stehen dicht an dicht an den Glühweinständen, Glühweinschwaden ziehen über die Weihnachtsmärkte, im Radio wird stündlich Last Christmas gespielt.

Es ist gut, dass man Weihnachtsstimmung nicht messen kann. Wie auch die Beaufort-Skala nicht in absoluten Zahlen misst. Man kann Weihnachten spüren. Wenn man genau beobachtet und wartet. Es geht darum, achtsam zu sein. Nicht nur an Weihnachten.

 

„Dies versucht die Beaufort-Skala einem zu vermitteln. Es geht darum, aufmerksam zu sein. Es geht darum, festzustellen, ob der Rauch senkrecht aufsteigt oder abtreibt, ob nur die Blätter oder ganze Äste sich bewegen, ob der Regenschirm nur ein bisschen gerüttelt oder ganz umgestülpt wird. Mehr noch, es geht darum, diese Details zu vermerken, sie zu speichern – im Gedächtnis oder, in dem Notizbuch, das man stets dabei hat (nebst Karte und Kompass, ersteht sich). Es geht darum, das, was man gesehen hat, klar und einfach auszudrücken, in möglichst wenigen Worten, damit andere Bescheid wissen. Es geht darum, aufmerksam zu beobachten und das gesammelte Wissen zu vermitteln, aus dem wir dann allesamt so viel wie möglich lernen können.“
Scott Huler

 

Und eine Zugabe gibt’s heute auch noch

 

 

 

2 Antworten zu “Es treibt der Wind, Adventsgedanken 4

  1. Da kommt stürmische Freude auf bei deinen spannenden Ausführungen und dem Wunschnikolaus… ;-)

    Liebe Grüsse,
    Brigitte

  2. Ein Nikolaus mit „Sixpacks“ – nicht schlecht!
    Ich finde es auch gut, dass man Weihnachtsstimmung nicht messen kann. Für die wahre, die gute, die Freude bringende Weihnachtsstimmung braucht man lediglich ein Herz, das ein kleines bisserl offen und warm ist…
    Liebe Grüße!

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