getäfelte Stuben

„Fachwerk, wünschte ich, wäre nie erfunden worden. So viel Vorteil es bringt, weil man es schnell ausführen kann und es die Räume weiter macht – umso größer und allgemeiner ist der Nachteil, dass es bereit ist, wie Fackeln zu brennen.“

So sprach vor rund 2.000 Jahren Vitruv. Glücklicherweise hat es sich dann doch durchgesetzt. Aber Feuer und Holz – das eine ist ohne das andere nicht denkbar, aber dennoch eine schwierige Partnerschaft. Die große Brandgefahr drohte immer, Tag und Nacht wurden in den Städten auf Kirchtürmen und Stadttürmen nach Feuer Ausschau gehalten. Wie schnell konnte ein Brand entstehen; ob Kochen, Heizen oder Beleuchtung – alles geschah mit offenem Feuer. Überall wurde brennbares Material gelagert, wie schnell konnte sich ein Feuer über die ganze Stadt ausbreiten. Schmiede, Badstuben und Bäcker sorgten für zusätzliche Feuergefahr.

Und doch – echte Behaglichkeit gab es nur mit Holz und dazu gehörte die Heizung. Die Bohlenstuben, rauchfrei beheizt, boten mit ihren Wänden, Decken und Böden aus Holz und Lehm genügend Wärmedämmung, um einen wirklich warmen Raum zu bekommen. Dies war in den offenen Hallenhäusern nicht wirklich möglich. Und rauchfrei beheizt, das klingt heute so einfach, war aber eine echte Besonderheit. Die Erfindung des Kachelofens als so genannter Hinterlader machte dies möglich. Er wurde von der Küche aus beschickt und der Rauch entwich auch wieder in die Küche. Und in der Bohlenstube war es warm und behaglich, wenn auch recht dunkel.

Das mit dem Holz wusste übrigens schon der Venatus Fortunas, der Bischof von Poitiers um 560:

Weg mit euch, mit den Wänden von Quadersteinen! Viel höher
Scheint mir ein meisterlich Werk, hier der gezimmerte Bau.
Schützend verwahren vor Wetter und Wind uns getäfelte Stuben,
Nirgends klaffenden Spalt duldet des Zimmermanns Hand.

(aus dem Lateinischen übertragen von A. Haupt)

Die Kunst der Bohlenstuben und getäfelten Stuben wurde lange beibehalten. Zu Beginn konnten sich sicher nur reiche Leute eine Bohlenstube und einen Kachelofen leisten, aber irgendwann war es Standard, eine Bohlenstube in allen Häusern zu finden. Bis dann später, mit der Verbesserung der Heiztechnik mehrere Räume beheizt werden konnten – was natürlich zu enorm steigendem Holzverbrauch führte. Irgendwann waren dann nicht mehr Holzbalkendecken sondern Stuckdecken modern. Aber die Erinnerung bleibt – in der „Guten Stube“, in der Amtsstube, Bauernstube, Dachstube, im Nähstübchen. Heute hat das Wort Stube einen altmodischen Klang aber nicht zu Unrecht wurde die Erfindung der Stube von Kurt Bedal als „Kulturleistung des Mittelalters“ bezeichnet.

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2 Antworten zu “getäfelte Stuben

  1. Das ist ein wirklich sehr interessanter Post! Danke!

  2. Super Artikel! Ich mag sie ja sehr gern, die Fachwerkbauten (im Gegensatz zu so manchen, die den Anblick schon allzu gewohnt sind). Ich heize ja seit einem Jahr auch wieder mit Holz – und bin überglücklich damit.
    Und bei „Stube“ musste ich dran denken, dass der letzte Meetingraum unseres Büros nach meinem Vorschlag den offiziellen Namen „die gute Stube“ bekommen hat. Sonst haben unsere Meetingräume nur sehr coole Namen, hipper Einheitsbrei halt. Da hats mich besonders gefreut, dass unser Kämmerchen nun so schön altmodisch benannt wurde :-)

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