Und wir sehen schon den Stern, 13

Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben:
Sterne, Blumen und Kinder.
Dante, Alighieri

Adventssterne, 13. Dezember

Der erste Strohstern

eine Legende, erzählt von Else Tümmel

Als sich die Hirten auf dem Weg nach Bethlehem machten, wurde von ihrem Reden und Rufen auch ein Hirtenjunge wach, der bei den Schafen im Pferch geschlafen hatte. Verwundert und noch ein bisschen schlaftrunken lief er mit dem Männern und stand dann mit ihnen in dem armen Stall lange Zeit vor dem neugeborenen Kind in der Krippe, bis einer der Hirten ihn am Arm fasste: „Komm, Bub, wir wollen heimgehen! Das Kind und seine Mutter brauchen Ruh!”

Unterwegs berieten die Hirten, was sie dem Kind morgen alles mitbringen wollten. „Ich bring ihm Milch von dem Mutterschaf!” rief der eine. „Ich nehme guten Schafskäse mit!” sagte ein anderer. Ein dritter wollte ein Säckchen Mehl hintragen, ein vierter ein weiches Lammfell schenken. Weder einer wollte ein Bund Holz zum Feuermachen mitbringen und ein anderer einen Beutel voll Winteräpfel zusammensuchen. Einer hatte noch ein Töpfchen Fett, und der älteste von ihnen, der am ärmsten war, sagte nach einigem Überlegen: „Ich spiel dem Kind ein Wiegenlied auf meiner Flöte!”

Der Hirtenjunge wurde allmählich immer trauriger. Alle hatten etwas zu schenken – nur er nicht! Denn außer seinem Hemd und seiner Hose besaß er nichts, höchstens noch eine Jacke, aber die war so alt und so oft geflickt, dass er sie unmöglich dem Kind schenken konnte. Auf seinem Strohlager konnte der Hirtenjunge lange nicht einschlafen. Immer noch sah er das Kind vor sich. Er wollte ihm so gern auch etwas schenken. Aber was?

Da glänzten auf einmal im Licht des großen neuen Sternes ein paar Strohhalme seines Lagers auf. Sie lagen kreuz und quer übereinander und trafen sich in der Mitte zu einem Stern – einem Strohstern. Da wusste der Junge auf einmal, was er dem Kind schenken konnte! Er wünschte den Morgen herbei, und das Schlafen wurde ihm schwer.

Endlich wurde es Tag. Leise griff der Junge nach dem Messer des Hirten, der neben ihm schlief, und schnitt ein paar Strohhalme zurecht, drehte dann aus Schafwolle einen Faden und schlang und knotete ihn um die Halme, dass ein fester, schöner Stern daraus wurde. Der Junge ließ den Stern am Faden tanzen. Wie der nun in der Morgensonne schimmerte und leuchtete! Als die Hirten mit ihren Gaben zum Stall kamen, legte jeder sein Geschenk an der Krippe nieder.

Während der Alte noch sein Lied auf der Flöte blies, trat der Hirtenjunge vor. Sein Herz klopfte, als er dem Kind den Strohstern hinhielt. Da schlossen sich die kleinen Finger um einen der glänzenden Halme: Das Kind hielt den Stern fest.

***

Sternengefunkel – Sternengebastel:
wieso nicht mal wieder einen Strohstern basteln?
Oder eine Karte im Strohstern-Look

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3 Antworten zu “Und wir sehen schon den Stern, 13

  1. Weil ich das Gefühl habe, dass mein Kommentar verschluckt wurde, nochmal (so gut ich mich erinnern kann):
    Es ist eine sehr sehr schöne Geschichte, die den Gedanken der Weihnacht hervorragend wiedergibt.
    Vor allem zeigt es eines: mit wenig lässt sich oftmals mehr machen, weil das „Wenige“, wenn es mit Hingabe gemacht wurde, einfach wertvoller ist.

  2. Das ist eine ungemein berührende und liebenswerte Geschichte! :-D
    Danke für’s Erzählen!
    ♥lichst!

  3. Danke – einmal mehr – für eine „einfache“ Geschichte mit tiefem Sinn. Ja, das ist Weihnacht!

    liebe Grüße von Ellen

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