gelesen: Mai – Juli

Gelesen in den letzten 3 Monaten: Immer wechselnd dicke Schmöker, in die ich eintauchte und leichte Lektüre zum Weglesen…

Ulla Hahn:
*“Das verborgene Wort“ und * „Aufbruch“
Als ich endlich den zweiten Band ihres autobiographischen Romans als Taschenbuch bekam, musste ich natürlich den ersten gleich nochmal lesen. Für mich damals der Roman des Jahres und auch beim zweiten Mal noch sehr lesenswert. Auch wenn beide Bände hintereinander natürlich lang sind. So konnte ich komplett eintauchen in das katholische Leben in Köln in den 50er Jahren, für mich eine durch und durch fremde Welt. Hilla, „das Proletenkind“ entdeckt über die Sprache, das Lesen und die Bücher die Welt. Wunderbar, wie sich diese Welt entfaltet, Buchstabe für Buchstabe. Von den „Buchsteinen“ des Großvaters bis zum Studienbeginn in Köln. Jetzt kann der dritte Band irgendwann kommen, ich bin bereit.
Reich-Ranitzki war nicht so gnädig mit dem Buch: „Infantil, puberträr, höchstens für weibliche Leser von Interesse.“ Muss ja auch kein Mann lesen. Ich fands wunderbar. Ein Sittenbild und Entwicklungsroman im besten Sinne…

Schön ist natürlich, wenn man efährt, dass ihr Elternhaus heute ein Zentrum für Leseförderung wurde:
Peter Prange. „Der letzte Harem“
Nun gut, es wurde mir von Vater und Mutter empfohlen, dies hielt ich für eine Empfehlung. Mir war es zuviel Liebesgeschichte, zuviel klischeehafte Schilderung und zuwenig Informationen über die Türkei. Immerhin die Ausgangssituation ist eine spannende, da hätte man noch mehr daraus machen können.

Judith Lennox:
Das Herz der Nacht
Ach ja, kann man mal lesen, ein bisschen viel reiche Leute aber nett geschrieben.

Monika Peetz:
Die Dienstagsfrauen
Es ist voller Klischees und vorhersehbar. Ich hab es dennoch gerne gelesen, amüsant geschrieben ist es allemal.

Oft führt eine Lektüre zu vielen weiteren. So bei diesem Buch, ein Zufallsfund in der Bücherei:

Barbara Bronnen:
* Geschichten vom Überleben. Frauentagebücher aus der NS-Zeit
Es wurden Ausschnitte aus Frauentagebüchern publiziert, ganz bewusst eine große Bandbreite, ob Verfolgte, Frauen im Widerstand, Mitläuferinnen, überzeugte Nazis. Eine beeindruckende Mischung. Es verlockt zum Weiterlesen, so besorgte ich mir aus den zitierten Tagebüchern weitere Lektüre:

Bella Fromm: „Als Hitler mir die Hand küßte.“
ist interessant, weil die ehemalige Gesellschaftsreporterin sehr dicht dran war an allen wichtigen Persönlichkeiten und einen guten Blick hatte. Sie schreibt bissig und amüsant. Allerdings ist es kein „echtes“ Tagebuch, die Aufzeichnungen wurden hinterher, nach ihrer Emigration nach Amerika, veröffentlicht und dazu übersetzt, ergänzt und sicher auch umgeschrieben. Dennoch sehr authentisch.

Ganz anders und noch viel beeindruckende ist Lore Walbs Auseinandersetzung mit ihrem Tagebuch.
* „Ich, die Alte, ich, die Junge. Konfrontation mit meinen Tagebüchern 1933-1945“.
Absolut lesenswert! Frau Walb war zur NS-Zeit ein junges Mädchen, überzeugt vom Nationalsozialismus und führte zu dieser Zeit ein Tagebuch. Im Bewusstsein, in einer politisch wichtigen Zeit zu leben, notierte sie sehr viel Politisches. Lore Walb konfrontierte sich später selbst mit diesem Tagebuch und veröffentlichte es, versehen mit Kommentaren aus heutiger Zeit. Sehr beeindruckend diese Offenheit! Es fällt ganz sicher nicht leicht, sich in aller Öffentlichkeit seiner Vergangenheit so kritisch zu stellen. Aber gerade weil es Originaltexte eines jungen Mädchens aus der damaligen Zeit sind, ist es leichter zu verstehen, wie sie dazu kommen konnte, so zu denken, wie ihre damaligen Einschätzungen waren. Und noch beeindruckender auch die Fragestellung: Was fehlte in diesem Tagebuch, was habe ich nicht geschrieben? Sie zeigt auch sehr gut, wie es zu Verdrängungsprozessen kommen kann. Ein Buch, dem ich viele weitere Leserinnnen wünsche.

Hanns-Josef Ortheil
* Die Erfindung des Lebens
Ich kannte schon einige Bücher von Ortheil, mochte auch die meisten, aber dies hat mich zu Beginn sehr irritiert. Die Geschichte von einem Jungen, der in einer traumatisierten Familie aufwächst, die fand ich nun doch ein wenig seltsam konstruiert. Die Eltern haben im Krieg 4 Söhne verloren, die Mutter darüber verstummt, der Sohn wächst überbehütet und auch stumm auf.  Aber die Geschichte ist nicht konstruiert, es ist tatsächlich seine Lebensgeschichte. Und af einmal fand ich es höchst beeindruckend zu lesen, wie sich die Familie von der Last der Vergangenheit befreit und ins Leben zurückfindet. Interessant, was hier ausmacht, ob es „real“ ist oder nicht. Sehr lesenswert, es hat bei mir lange nachgewirkt.

Eine Antwort zu “gelesen: Mai – Juli

  1. Danke für den Tip. Lore Walb werde ich lesen.

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