Gelesen: Februar

(wie immer: Empfehlungen bekommen ein Sternchen)

Tracy Chevalier
* Remarkable Creatures
auf Deutsch: Zwei bemerkenswerte Frauen.
Tracy Chevalier ist die Autorin des Mädchens mit dem Perlenohrring. Das mir sehr gefiel, aber weitere Bücher von Ihr rissen mich bisher nicht vom Hocker. Dies hier jedoch umso mehr, es geht um zwei Frauen an der englischen Südküste im 19. Jahrhundert, die Fossilien sammeln. Schön, wie das doch eher trockene Fossilienthema zum Leben erweckt wird, wie gezeigt wird, wie die Entdeckung von ausgestorbenen Tieren das Weltbild auf den Kopf stellt. Und schön auch die Schilderung der beiden Frauen, die um Anerkennung in der Wissenschaft kämpfen müssen. Das Leben der Frauen hat was von Jane Austen.

Elke Heidenreich und Bernd Schroeder
Alte Liebe
Ein jahrzentelang verheiratetes Ehepaar im Dialog. Er schon in Rente, sie noch? untersetzlich in ihrem Beruf. Man geht sich gegenseitig auf die Nerven und versteht sich wieder. Die Liebe hat schon Kratzer, der Alltag hat seine Spuren hinterlassen und die Ideale von damals? Die sind irgendwo verschütte gegangen. Oder doch nicht? Irgendwie banal, sagen manche. Ja, Alltag ist banal und anstrengend. Mir hat’s gefallen. Ausserdem höre ich bei allen Büchern von Elke Heidenreich immer innerlich ihre Stimme mit, seitdem ich ein Hörbuch von ihr gehört habe. Das passt sehr gut dazu.

Rulf Neigenfind:
Die zwei Leben des Georg Christian Kessler
Ein Buch über Georg Christian Kessler (also der Sekt-Kessler, nicht der Eisenbahn-Kessler, muss man in Esslingen immer dazu sagen) mit Schwerpunkt seiner Zeit in der Champagne bei der Witwe Clicquot. Für mich überraschend war die Feststellung wieviele Deutsche sich in der Champagne tummelten. Klar, einige kennt man: Bollinger, Heidsieck, Krug, Geldermannm, Deutz, Mumm. Aber dass die gesamte Geschichte der Champagner-Herstellung kaum ohne die deutschen Einwanderer denkbar war, erstaunt mich doch. Ein Grund sieht Neigenfind darin, dass auch damals schon die Franzosen wenig Fremdsprachenkenntnisse hatten. Nett zu lesen.

Ferdinand Rohrhirsch:
* Philosophie, Eisenbahn und Stuttgart 21: Erklärungsversuch meiner Zuneigung zu einem gegenwärtig umstrittenen Kopfbahnhof
Eher eine Broschüre wie ein Buch. Aber aufschlussreich. Ferdinand Rohrhirsch kommt aus einer alten Eisenbahnerfamilie und ist gelernter Eisenbahner, Theologe und Philosoph. Spannende Mischung und absolut lesenswert. Er erklärt uns den Unterschied zwischen aussteigen und ankommen.

Barbara Beuys
* Paula Modersohn-Becker. Oder: Wenn die Kunst das Leben ist
Empfohlen von der Lieblingsbuchhändlerin. Da ich ja schon so begeistert über die Hildegard von Bingen – Biographie von Frau Beuys war. Und ich wurde nicht enttäuscht. Barbara Beuys erzählt nicht nur ein Leben, sie ordnet es auch in die gesellschaftlichen Umstände ein. Das macht zwar den Lesefluss etwas sperriger, aber die Erkenntnis umso größer. Man erfährt viel über Künstlerinnen und ihre Schwierigkeiten im 19. Jahrhundert. Ich kannte Paula Modersohn-Becker ein wenig, was man halt so weiss. Aber wie neuartig ihre Bilder damals waren, das war mir nicht so bewußt. Schade, dass so wenig Bilder abgebildet sind, aber umso mehr will man danach auf Entdeckungstour gehen.

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