15. Dezember

Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut,
könnte eine Gans nach Hause bringen.

Georg Christoph Lichtenberg,

14. Dezember

Dass mir zwei kleine Flügel wachsen

Vielleicht will es mir heut gelingen,
vielleicht entdeck ich, wie es geht,
dass mir zwei kleine Flügel wachsen
und Rückenwind im Rücken weht.
Vielleicht will es mir jetzt gelingen,
den Stein, der mir im Wege steht,
mit etwas Schwung zu überspringen,
damit die Welt sich weiterdreht.

Thomas Knodel

Woran erkennt man einen Engel? ganz klar, an den Flügeln. Deswegen gibt es auch geflügelte Teddybären-Engel. Und selbst die Jahresendflügelfigur hat die Flügel noch im Namen. Aber wozu Flügel? Und wieso sind Vögel keine Engel?

Die biblischen Engel hatten nicht von Anfang an Flügel, die ersten waren ja eher einfach in Menschengestalt. Seraphim waren tatsächlich geflügelt, aber sie hatten gleich 4 Paar Flügel, um sich zu bedecken – vor der Heiligkeit Gottes.

Die Idee der geflügelten Engel kommt unter anderem aus der antiken Götterwelt. Hier gab es so einige geflügelte Götter, den Götterboten Merkur – der hatte ja sehr schicke Flügelschuhe – aber auch Nike, die Siegesgöttin. mit ihren Vogelschwingen als Flügel. Zu fliegen wie ein Vogel, diese Vorstellung begeistert schon immer. Aber auch der Schneider von Ulm war kein Engel. Außerdem habe ich gelernt, dass früher Engel mit Vogelflügeln aber Dämonen mit Fledermausflügel dargestellt wurden.

Überhaupt, der Wunsch, zu sein wie Engel hat ja unterschiedliche Hintergründe. Die einen wünschen sich bedürfnislos wie ein Engel zu sein, weitab jeder Erdenschwere, wunschlos glücklich. Aber auch weitab jeglicher Leidenschaft. Ätherisch eben. Durchscheinend, nicht handfest.

Und die anderen denken an die Engelsflügel. Sich leicht nehmen, die Flügel ausbreiten und über den Dingen schweben. Diese Vorstellung hat schon was, finde ich. Und wer weiß, vielleicht leiht uns ein Engel seine Flügel. Wenigstens für einen kurzen Moment.

Übrigens heißen im Finnischen die Schulterblätter Flügelknochen. (so sagt man.) Das finde ich eine wunderbare Vorstellung, viel besser als unsere steif gewordenen Schulterbretter – äh Schulterblätter.

Fliegen ist schwer

Fliegen ist schwer
Dennoch breite die Arme aus und nimm
einen Anlauf für das Unmögliche.
Nimm einen langen Anlauf
damit du hinfliegst
zu deinem Himmel
daran alle Sterne verlöschen.
Denn Tag wird.
Ein Horizont zeigt sich immer.
Nimm einen Anlauf.

Günter Kunert

Eine Antwort zu “15. Dezember

  1. Da ist so viel Schönes über die Engel geschrieben – man muss sie einfach gern haben, ob es sie gibt oder nicht… Und etwas engelgleich möchten wir doch alle sein, zeitweise, fast immer!

    Liebe Grüsse,
    Brigitte

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