von Glückspfennigen, Notgroschen und einem Batzen voll Redewendungen

Während ich wieder erste Recherchen für den Denkmaltag anstelle – dieses Jahr ein durchaus spannendes Thema: „Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr“ – fallen mal wieder Redewendungen dabei ab.

Diesmal geht’s ums Thema Geld. Es ist ja interessant, wie die Währungen wechseln und verschwinden, aber durchaus ihre Spuren in der Sprache zurücklassen. Wenn ich irgendwo einen Cent liegen sehe, rufe ich unwillkürlich: „Oh, ein Glückspfennig!“.

Wenn man mal nachforscht, findet man die eine oder andere Redewendung, bei der der Bezug zum Geld schon lange nicht mehr bekannt ist.

Wenn etwas „ein Batzen voll“ ist, weiß man meistens noch, dass der Batzen eine alte Währung ist. Schließlich kennt man noch das Lied: „Ein Heller und ein Batzen, die waren beide mein.“ Und „auf Heller und Pfennig“ lässt man sich heute noch etwas zurückzahlen.

Aber wer weiß denn, dass die Redewendungen
einen Obulus leisten
• sein Scherflein dazu beitragen
• keinen Deut wert sein

auch auf alte Währungen zurückzuführen sind?

Der Obulus, eigentlich Obolos, ist eine kleine antike griechische Münze. Sie blieb in Erinnerung, weil es auch die Münze ist, die den Toten unter die Zunge gelegt wurde, als Fährgeld für den Fährmann Charon, für die Überfahrt über den Fluss Styx in den Hades, die Unterwelt der Toten. Und so blieb der Obulus als Begriff für ein Trinkgeld oder einen kleinen Beitrag erhalten.

Auch der Scherf (scharfer Pfennig, bis ins 18. Jahrhundert in Erfurt verwendet) war eine kleine Münze und so wurde seine Verkleinerung, das Scherflein, zur Redewendung, die auch von Martin Luther mit geprägt wurde.

Und beim Deut kommt die Redewendung genauso wie die Münze aus dem Holländischen. „Hier geb ich keine kupfernen Deut für“ verbreitete sich auch in Deutschland und daraus wurde kurzerhand: „kein Deut“ – in der Bedeutung von nichts. Der Deut war eine kupferne Münze im 17. und 18. Jahrhundert.

In die gleiche Richtung gehen natürlich auch das Quentchen Glück und der skrupellose Mensch. Hier sind es kleine Gewichte, das Skrupel ist ein altes Apothekergewicht also ein Gewicht zum abwiegen von sehr kleinen Mengen. und ein Quent ist der fünfte Teil eines Lots (lateinisch: quintus) – auch hier wieder ein sehr kleines Handelsgewicht. (also ist hier die neue Schreibung Quäntchen absoluter Quatsch, die Herleitung ist eben nicht von Quantum. zu diesem Thema auch immer schön: die Volksethymologie )

Die Doppelbedeutung von Talent als Währung und eben Talent ist ja nun wieder geläufig.

Man sieht also,  die Münzen gehen, die Sprache bleibt. Der Notgroschen wird uns noch lange begleiten. Und auch der Pfennigabsatz wird nicht zum Centabsatz werden…

Weitere Redewendungen demnächst.

2 Antworten zu “von Glückspfennigen, Notgroschen und einem Batzen voll Redewendungen

  1. Danke für diese unterhaltsame Lektion.
    Ein Beitrag aus „echtem Schrot & Korn“.

  2. Pingback: Vom Hundertsten ins Tausendste – weitere Redewendungen | Doppelblog's Weblog

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