Das Gedicht zum Wochenende

Die Stille der Welt vor Bach

Es muß eine Welt gegeben haben vor
der Triosonate in D, eine Welt vor der a-moll-Partita,
aber was war das für eineWelt?
Ein Europa der großen leeren Räume ohne Widerhall,
überall  unwissender Instrumente,
wo das Musikalische Opfer und das Wohltemperierte Klavier
noch über keine Klaviatur gegangen sind.
Einsam gelegene Kirchen,
in denen nie die Sopranstimme der Matthäuspassion
sich in hilfloser Liebe um die sanfteren
Bewegungen der Flöte gerankt hat,
weite sanfte Landschaften,
wo nichts zu hören ist als die Äxte alter Holzfäller,
das muntere Gebell starker Hunde im Winter
und –  wie eine Glocke – Schlittschuhe, die blankes Eis ritzen;
die Schwalben, die durch die Sommerluft schwirren,
die Schnecke, in die das Kind hineinhorcht,
und nirgends Bach, nirgends Bach
die Schlittschuhstille der Welt vor Bach.

Lars Gustafsson
übers. aus d. Schwed. v. H. M: Enzensberger

Fliegende Wörter 2010

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