Unterwegs nach Weihnachten, 6. Dezember

Adventsbild 6. Dezember

Bevor wir auf eine Reise gehen packen wir unser Reisegepäck. Je nachdem, wo wir hingehen und wie wir reisen ist das Gepäck beschränkt – durch die Vorschriften der Fluggesellschaft oder durch unsere eigenen Grenzen, wenn wir z.B. zu Fuß wandern. Wir planen, schreiben Packlisten, packen ein, packen um, packen wieder aus – und haben meist dann doch das Gefühl, zuwenig dabeizuhaben. Wenn wir zurück kommen, stellen wir fest, wie vieles wir gar nicht gebraucht haben. Vielleicht haben wir auch unterwegs Ballast verloren. Wir haben Dinge weggeworfen, vielleicht auch irgendwo vergessen und es gar nicht gemerkt.

Durch unser Leben reisen wir auch mit leichtem oder schwerem Gepäck. Was schleppen wir mit uns herum, was brauchen wir wirklich und was ist Ballast?

Ich meine damit jetzt nicht die „Entrümpel und werde glücklich“-Geschichten. Wir sind keine Nomaden, wenige von uns können alles hinter sich werfen und weitergehen. Aber unser Gepäck kann auch sein: unsere Vorstellungen, unsere Ideen, unsere Erinnerungen… Was wir gelernt haben, ist unser Reisegepäck für unterwegs. Wir brauchen ein Rüstzeug für den Weg. Manches aber ist zuviel. Wie viele alte Geschichten voller Groll schleppen wir mit uns herum. Doch die Erinnerungen an gute Zeiten, die packen wir gerne ein.

Welchen Ballast haben wir unterwegs verloren, was von unserem Gepäck ist überflüssig? Manch alte Ansicht muss nicht mehr mitgeschleppt werden, alte Ängste, alte Vorurteile dürfen auch ausgepackt werden.

Welche Meinungen und Überzeugungen stecken ganz tief unten im Koffer und können nicht so ohne weiteres gewechselt werden? Hab ich Platz im Koffer für neue Ideen? Welche Überzeugungen brauche ich als Handgepäck – immer parat?

Auch Weihnachten selbst: Was ist das große Reisegepäck, das wir auf dem Weg nach Weihnachten mitschleppen? Hausputz, 17 Sorten Plätzchen, Geschenke, Dekostress – was davon will ich wirklich mitnehmen, was muss ich halt mitnehmen und was kann ich auch wieder auspacken?

***

Mit leichtem Gepäck

Gewöhn dich nicht.
Du darfst dich nicht gewöhnen.
Eine Rose ist eine Rose.
Aber ein Heim
ist kein Heim.

Sag dem Schoßhund Gegenstand ab
der dich anwedelt
aus den Schaufenstern.
Er irrt. Du
riechst nicht nach Bleiben.

Ein Löffel ist besser als zwei.
Häng ihn dir um den Hals,
du darfst einen haben,
denn mit der Hand
schöpft sich das Heiße zu schwer.

Es liefe der Zucker dir durch die Finger,
wie der Trost,
wie der Wunsch,
an dem Tag
da er dein wird.

Du darfst einen Löffel haben,
eine Rose,
vielleicht ein Herz
und, vielleicht,
ein Grab.

Hilde Domin

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2 Antworten zu “Unterwegs nach Weihnachten, 6. Dezember

  1. Dieser Gedanke der Lebensvereinfachung beginnt übrigens nur mit äußeren Dingen und wenn an die gemeistert hat, kann man sich dem Inneren zuwenden: die Gedanken entrümpeln, die Überzeugungen, vieles überdenken …

  2. Und ich dachte, ich wäre der einzige, der den Deko-Stress kennnt!

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