Damals und heute – Autofahren

Also gut, jetzt habe ich doch auch Lust bekommen, beim Projekt Damals und Heute mitzumachen. Es geht um Autos und Verkehr, wie war das damals?

Unsere Familie fuhr schon irgendwie immer Peugeot. Genauer gesagt, meine Eltern begannen klassisch mit diversen VW-Käfern ihre Autokarriere. Eines Tages wollte mein Vater nun ein anderes Auto, er sah sich vor allem bei französischen Autos um. In die Auswahl kam auch eine Citroën DS. Heute würde ich sagen, keine schlechte Wahl aber damals verkündete Klein-Tine sehr kategorisch: „Dieses Auto nicht, das Auto guckt so böse!!“ Ob meine Stimme wirklich ausschlaggebend war, weiß ich nicht, aber damals war ich davon überzeugt. So wurde es denn ein Peugeot 404 – heute auch ein Klassiker, vor allem mit diesen spitzen Heck-Ecken.

Das Auto hat mich damals nur ein wenig beeindruckt, ich war allerdings auch erst 5 Jahre alt. Viel wichtiger fand ich, dass ich ein kleines Spielzeugauto, genau den gleichen Peugeot bekam, da konnte man die Türen öffnen und schon die Kopfstützen bewegen. Was für ein Wunder der Technik, ich war total fasziniert! (soweit zum Thema Mädchen- und Jungensinteresse, Puppen fand ich damals ziemlich blöd. Mein Interesse an Autos ist allerdings merklich gesunken im Laufe der Jahre)

Meine Mutter fuhr weiter Käfer und diese Autos waren für uns Kinder tolle Spielplätze. Mit Vorliebe kletterten wir während der Fahrt in die Ablage hinter den Rücksitzen hinein- und hinaus. Nicht so sicher wie heutzutage, aber viel lustiger. Ein Problem war beim Käfer, dass sich bei einer Vollbremsung die Beifahrersitzlehne nach vorne klappte. Meine Mutter löste das elegant, indem sie beim Bremsen gleichzeitig mit dem rechten Arm mit beherztem Schwung die Sitzlehne nach hinten drückte. Ein Glück, dass sie dabei nie einen Beifahrer erschlug, denn dieser Reflex blieb ihr noch jahrelang.

Ich selbst bin ja schon fast die Generation Golf (na ja, ein wenig älter schon noch), den Führerschein machte ich auf einem Golf, aber ich bin ihn nie wieder gerne gefahren. Mein erstes eigenes Auto war ein Polo in Baustellenorange. Hässlich aber praktisch, irgendwann habe ich ihn geliebt. Aber einem Auto Namen zu geben, das wäre mir doch komisch vorgekommen. Für mich war ein Auto immer ein Gebrauchsgegenstand und das Fahrrad war in vielen Zeiten genauso wichtig.

Der Baustellenpolo hat mich auch lange Zeit treu durch die Gegend gefahren aber eines Tages – ich war zu der Zeit in Paris – stand ich zusammen mit einer Freundin auf einmal mit überkochendem Motor auf der Champs-Elysée – natürlich direkt à l’heure de pointe, zur Hauptverkehrszeit, also so richtig mittendrin. Wir hatten eigentlich beide keine große Ahnung, standen also ratlos vor der offenen Motorhaube. In Frankreich kann natürlich niemand zwei Frauen mit einem offensichtlich kaputtem Auto lange alleine lassen und so standen ruck-zuck einige Männer um uns herum und innerhalb von 10 Minuten hatten wir 15 Diagnosen. von: „macht nichts, Wasser reinkippen, weiterfahren“ bis zu: „c’est très grave. Le joint de culasse est foutue“ (aha, etwas ist ganz und gar kaputt, was ist nur le joint de culasse? Heute weiss ich’s, es ging um die Zylinderkopfdichtung)

Wir entschieden uns für Wasser nachschütten und weiterfahren – aber wo bekomme ich mitten auf der Champs-Elysée Wasser her? Ein Sicherheitsmann, der vor einer Bank stand, war bereit, mir zu helfen. Ich hatte zufällig eine leere Wasserflasche dabei. Die konnte er mir füllen, dazu musste er aber seinen Platz verlassen, 3 Türen aufschließen um an einen Wasseranschluss zu kommen. Danach schloss er wieder alle 3 Türen ab und stellte sich wieder an seinen Platz. 1 min später war ich natürlich schon wieder bei ihm, für eine neue Flasche Wasser. Wieder das gleiche Spiel, alle Türen aufschließen, Wasser abfüllen, alle Türen wieder abschließen. Wir wussten beide, dass ich noch mehrmals nach Wasser fragen würde, er musste aber jedes Mal sofort zurück auf seinen Wachposten. Ich weiß nicht mehr, wie oft dieses Spiel so ging, aber es war recht oft und wir lachten beide schon, wenn ich schon wieder mit meiner Wasserflasche ankam. Schließlich kamen wir doch noch mit dem Auto nach Hause. Ab da war immer wieder was kaputt, was dazu führte, dass mein Wortschatz bei Autopannen recht groß wurde.

Und heute? Ich glaube, dazu muss man nicht viel sagen. Nur eins, weil es mir immer wieder auffällt. Viele Eltern machen sich überhaupt nicht klar, was es für Folgen hat, wenn die Kinder ständig mit dem Auto zur Schule gefahren werden. Zum einen lernt man wahrscheinlich auf dem Schulweg genauso viel fürs Leben wie in der Schule. Die Kinder werden heute auch Jahre später „verkehrssicher“, d.h. dadurch dass sie nie mit den Eltern die Gelegenheit haben, das Verhalten im Strassenverkehr zu üben wissen sie auch kaum, worauf man achten muss. Und ausserdem ist es gefährlich für die wenigen Kinder, die tatsächlich zu Fuss kommen. Natürlich weiss ich, dass es oft nicht anders geht, aber halt nicht immer.

Wie sagte einmal ein Verkehrsplaner? „Wir fahren unsere Kinder mit dem Auto zur Schule, um sie vor den Autos der anderen Eltern zu schützen, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

4 Antworten zu “Damals und heute – Autofahren

  1. Tolle, sehr interessante Erinnerungen. Ich habe übrigens auch nicht mit Puppen gespielt, sondern hatte eine Autosammlung. Da war so ein kleiner grüner Sportwagen, der echte Vollgummibereifung hatte und dann natürlich Matchbox-Autos.

  2. Deine Gedanken zum Schulweg werden inwischen ja doch häufiger mal diskutiert und ich bin auch der Meinung, dass es für die Kids viel besser ist, wenn sie – möglichst gemeinsam – zu Fuß unterwegs sind. Natürlich gibt es Ausnahmen: gefährliche Schulwege, extrem weite Schulwege, schlechte öffentliche Verkehrsanbindungen. Aber wenn Kinder für einen Schulweg von 10 Minuten durch den Ort immer mit dem Auto gebracht werden, dann ist das absurd.
    LG – Elke (Mainzauber)

  3. @Elke: es ist gut, dass man merkt, dass man mit diesen Gedanken nicht alleine ist. Da ich aber neben einer Grundschule wohne und dort um halb 9 kaum aus dem Haus komme, weiß ich dass es noch ein weiter Weg ist…

    @April: Autos hatte ich nicht so viele, nur dieses eine. Aber die Carerra-Bahn von den Nachbarskindern, die war TOLL!!!

  4. Deine Autogeschichte gefällt mir!
    Auch was die Kutscherei von den lieben Kleinen angeht…kann ich nur zustimmen.
    LG, Petra

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s