Zwischen Himmel und Erde

Esslingen - Blick von der Neckarhalde

Was fällt Ihnen zu Esslingen ein? Richtig, das Mittelalter. Mittelalter ist aber nicht nur der mittelalterliche Weihnachtsmarkt, Ritter mit Kettengerassel und „martialische Ritterspiele“, es geht weit tiefer.

Esslingen wurde tatsächlich sehr stark vom Mittelalter geprägt, genauer gesagt, vom 13. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert wurden fast alle wichtigen Bauwerke der Stadt Esslingen gebaut: 3 Kirchen (Stadtkirche, Dominikanerkirche, Franziskanerkirche), die Stadtbefestigung mit den Stadttoren, einschließlich der Burg, die zwei großen Brücken. D.h. das was das Esslinger Stadtbild heute prägt, stammt zum großen Teil aus dem 13. Jahrhundert.

Esslingen ist auch eine sehr stark kirchlich geprägte Stadt. 6 Bettelordensklöster waren in der Stadt vertreten, eine Anzahl die es sonst nur in großen Bischofsstädten oder in sehr großen, reichen Städten gab. Schließlich mussten alle Klöster auch in der Lage sein, ihren Unterhalt ausreichend erbetteln zu können.  Dazu jede Menge Pfleghöfe, also Wirtschaftshöfe der sich auf dem Land befindenden Klöster, die an einem Standbein in Esslingen vor allem aufgrund der Weinberge interessiert waren, aber auch um ihre eigenen Produkte verkaufen zu können. 3 große Kirchen (St. Dionys, die heutige Stadtkirche, die Dominikanerkirche und die Franziskanerkirche. Die Frauenkirche war damals noch eine Kapelle), viele Kapellen, ein Spital, auch mit Kirche – auf Schritt und Tritt war die Kirche hier präsent.

Esslingen Milchstrasse

In einer Stadt, die heute so stark protestantisch geprägt ist, ist man schnell dabei, diese starke katholische Vergangenheit zu vergessen. Die Pfleghöfe sind heute alle profan genutzt, auch die Dominikanerkirche musste eine Zeitlang als Kelter dienen, bevor sie wieder der katholischen Gemeinde als Pfarrkirche zur Verfügung gestellt wurde. Von der Franziskanerkirche steht noch gerade mal der Chor, im übrigen wurden sie nur noch die Hintere Kirche genannt, die Kapellen sind alle säkularisiert, zum Teil weiß keiner mehr davon. Oder wer denkt schon daran, wenn er im Raucherraum der Kneipe „Ad astra“ (Fürstenberger Hof) steht, dass dies mal die Kapelle war?

Und deswegen gibt es jetzt die große Klöster-Ausstellung „Zwischen Himmel und Erde“. Im Chor der ehemaligen Franziskanerkirche erfährt man nun einiges über die kirchliche Vergangenheit und auch das Esslingen so prägende 13. Jahrhundert. Eine lohnenswerte Ausstellung, auch wenn sich die Stadt sehr schwer tat, überhaupt Exponate zu bekommen. Schließlich hat der Bildersturm der Reformation sehr viel zerstört. Es werden also vor allem „geliehene“ Objekte gezeigt, aber auch die Franziskanerkirche als Ausstellungsraum ist schon mal sehenswert. („Nie, nie, nie, leihe ich mein Jesulein aus, und schon gar nicht zu Weihnachten“ rief eine Äbtissin auf die Anfrage des Museums aus)  In der Ausstellung bekommt man noch ein kleines Begleitheft über die Pfleghöfe und Klöster in der Stadt. An diesen Standorten stehen im Moment auch Stelen, die weitere Informationen liefern. So greift die Ausstellung auch in den Stadtraum über.

Eine sehenswerte Ausstellung, die noch bis in den Januar geht. Wer Esslingen mal von einer anderen Seite kennen lernen möchte, sollte sie sich nicht entgehen lassen. Es gibt auch noch ein sehr umfassendes Begleitprogramm mit Vorträgen, Musik, Besichtigungen der Pfleghöfe – Weinproben dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Esslingen ist immer eine Reise wert, für diese Ausstellung umso mehr.

Stadtkirche St. Dionys und Speyrer Pfleghof

2 Antworten zu “Zwischen Himmel und Erde

  1. Großes Lob, ein super Bericht der Lust auf mehr macht. Könnt ihr mir eventuell eine baugeschichtliche Beschreibung der ehemaligen Franziskanerkirche für mein Projekt „Kirchen und Kapellen“ besorgen? Liegt meistens in der Kirche aus.

  2. Ein Faltblatt gibts meiner Meinung nach nicht. Ich hab irgendwo einen Prospekt von der Franziskanerkirche. Fragt sich nur wo. Wenn er auftaucht, melde ich mich.

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