Der Tag des Mauerfalls – oder: wie ich ein einziges Mal der Bild-Zeitung glaubte

Tonari hat ein Stöckchen, zum Thema:  20 Jahre Mauerfall. Wo wart Ihr an diesem Tag?

„Was habt Ihr an diesem Tag getan? Wie habt Ihr ihn erlebt? Was sind eure Erinnerungen an den 9. November 1989? Erzählt bitte Euer persönliches Mauerfall-Geschichtchen.“

Nun, ich war an diesem Tag ganz im Westen Deutschlands. Genauer gesagt, auf Architektur-Exkursion in Trier. Wir waren den ganzen Tag unterwegs und natürlich bekamen wir auf diese Weise gar nichts mit. Weder Radio noch Fernsehen. Weiter weg ging nicht, nicht nur geographisch, auch sonst ist man bei einer Exkursion ja eher abgeschnitten von aktuellen Nachrichten.

Auf einmal behauptet einer: in der Bildzeitung, am Kiosk, da steht die Mauer ist weg????? Keiner wollte es glauben und so versammelten wir uns ums Autoradio eines Mitstudenten. Seltsamerweise ist mir vor allem dieses Bild in Erinnerung geblieben, 10 Studenten um einen Polo gedrängt. Tatsächlich die Bildzeitung, die es als einzige Zeitung am nächsten Tag schon gemeldet hat, hat uns auf die Spur gebracht. Wo ich doch sonst der Bild-Zeitung überhaupt nichts glaube.

Einige von uns wollten dann direkt nach Berlin weiterfahren aber ohne Reisepass ging damals noch nichts. Insofern hat uns dann Trier ab da nur noch am Rande interessiert und die Exkursion hatte nur noch ein Thema. Zuhause ist natürlich jeder zuerst an Fernseher und Radio gestürzt.

Im Übrigen gab es im Frühjahr 1989 wie üblich in der Uni die Vorstellung der neuen Entwurfsthemen. Da schlug ein Professor als Diplomthema vor: Was wäre denn, wenn irgendwann einmal die Mauer fallen könnte, da könnte ja Berlin wieder zusammenwachsen und wie könnte das stadtplanerisch aussehen, das könnte doch ein Entwurfsthema sein. Alles natürlich im Konjunktiv, hier ging es um einen hypothetischen Entwurf. Er meinte nur, wenn irgendwann einmal die Mauer fällt, dann können die Stadtplaner doch nicht bis dahin warten, die müssen doch zumindest schon einmal eine Idee in der Schublade haben. Dieser Diplom-Entwurf startete im Herbst 1989, begonnen als reine Utopie und dann von der Geschichte überrollt. Ich nehme an, die Studenten, die diesen Entwurf gewählt haben, waren froh, ein wirklich aktuelles Thema zu haben.

4 Antworten zu “Der Tag des Mauerfalls – oder: wie ich ein einziges Mal der Bild-Zeitung glaubte

  1. Danke, dass Du so schnell mitgemacht hast. Selbst ich bin ja noch nicht dazu gekommen, meinen Tag zu beschreiben ;-) Ich kann mir gut vorstellen, wie 10 Studenten um einen Polo herumstehen und alle das Ohr am Autoradio haben. „Wahnsinn!“ war vermutlich das meist gesprochene Wort dieser Tage.

  2. Mein 9. November ist nachlesbar…

  3. Ha…na in Trier war ich auch an diesem besagten Tag….und als Architekturstudentin ebenso :) wie klein die Welt doch ist!
    Ich denk jetzt mal scharf nach was ich da so gemacht hab!

  4. na die Welt ist ja wirklich klein… aber du warst nicht auf besagter exkursion? und nicht in der uni stuttgart?

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