Werbung muss ausländisch sein

Gerade habe ich einen Text von 1745 in die Hände bekommen. Einen Werbetext, um genauer zu sein eine Werbeschrift für ein Mineralbad. Es soll noch mal einer sagen, heutige Werbung sei so anglisiert. Auch damals war die Sprache durchsetzt von Fremd- und Modewörtern – nur war es eben Französisch.

Ein kleiner Auszug:

„Daß zur Aufnahm und Ruhm eines Mineral-Wassers nicht wenig contribuiere, wann es sich nicht nur mit seinem Alter legitimieren kann…“

„Wann man also diese authentische Nachricht, welche zwar auf alt-vätterische Art eingerichtet, und eben nicht so gar wohl stylisieret ist, in Consideration ziehet…“

„Woher also diese Wort zu derivieren, ist eben nicht so klar und deutlich…“

und so fort.

Irgendwie beruhigend, dass Moden kommen und gehen. Auch das Denglisch wird irgendwann gehen – ersetzt durch eine neue Mode.

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4 Antworten zu “Werbung muss ausländisch sein

  1. Richard Zahnhausen

    Na…
    Ich weiß nicht wie man hier von „Mode“ schreiben kann. Alle angeführten Wörter werden auch heute noch in der gehobenen Umgangssprache im deutschen Sprachraum gebraucht! Denligsch ist ein dümmlicher Begriff von ziemlich verdächtigen Sprachpuristen und dem schönen französischen Begriff „Franglais“ schlecht nachgebildet. Die Sprache ist ein äußerst lebendiges Medium und für alles offen. Was der Sprache immer schadet ist die Denunzierung von allem Neuen als „Sprachmoden“. Was ist ernsthaft gegen Sprachmoden einzuwenden? Kein Mensch muss sie mitmachen!

  2. Ich finde schon, das gerade eine Werbeschrift gerne „im Zeitgeist“, also durchaus modisch geschrieben wird. Natürlich gibt es das eine oder andere Wort noch, aber derivieren oder in Consideration ziehen ist heute sicher nicht mehr Standard. Dafür heisst es heute „come in and find out“ und die Leute finden nicht mehr heraus, weil sie nicht so genau wissen, was das heißt. Klar muss sie kein Mensch mitmachen, aber das ist mit allen Moden so. Theoretisch muss keiner, praktisch orientieren sich viele schon daran. (Hat ja auch was beruhigendes, wenn ich weiss, gerade ist Pink in, dann kann ich mit einem pinkfarbenen Pulli nichts falsch machen) Und natürlich kann man sich immer dagegen stellen, es ist aber auch ein bewusstes Statement.

    Ich wollte nicht damit sagen, dass ich gegen Sprachmoden bin, eher die Feststellung, dass sich viele Dinge wandeln. Und im Moment ist vieles englisch, früher war vieles französisch und vielleicht ist einiger Zeit Chinesisch oder Finnisch schick?

    • Richard Zahnhausen

      So what?
      Das zweitschlimmste Wort nach „Denglisch“ ist übrigens „Zeitgeist“, allerdings nicht als Wort an sich sondern als Chiffre für eine ranzige Kulturkritik! Ein – in der aktuellen Finanzkrise – inflatorisch gebrauchtes Wort ist „Derivathandel“, daher ist die Behauptung, derivieren sei nicht mehr Standard, ein bisserl snobby… möglicherweise ist „in Consideration ziehen“, (obwohl für jemanden mit Sprachgefühl eine angenehme und schöne Wendung) nicht mehr Standard – aber die Kenntnis dieses Phrase hilft („hülfe“) einem sehr beim Verstehen vieler englischer Texte.
      Vor hundert Jahren hat Karl Kraus geschrieben, dass ein schöner deutscher Satz komplett aus Fremdwörtern bestehen könnte, weil der Sprache das Material aus dem sie schöpft egal ist. Ich freu mich schon auf Chinesisch und Finnisch!

  3. Zeitgeist ist übrigens ein Wort, dass die Engländer (oder Amerikaner?) von uns übernommen haben.

    Es ist schon beruhigend zu wissen, dass Englisch irgendwann nicht mehr Modesprache sein wird. Doch welche wird folgen? Und mit welchen grausamen Worten müssen wir uns bis dahin rumschlagen? Welche bleiben ganz?

    Ich habe nichts gegen die Englische Sprache, ich lese sie immer mehr und mehr. Doch je mehr ich mich damit beschäftige, desto weniger kann ich sie in anderen bereichen haben. Mir fallen vor allen die eingedeutschten Worte wie „handeln“ auf die Nerven. Handy dagegen stört mich nicht.

    PS: Wenn ich die Wahl zwischen Chinesisch und Finnisch hätte, wähle ich Finnisch.

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