Gedichte zum Wochenende

Natürlich zum Thema Schiffe – nein, nicht: „Eine Seefahrt, die ist lustig…“

Uebergewicht

Es stand nach einem Schiffsuntergange
Eine Briefwaage auf dem Meeresgrund.
Ein Walfisch betrachtete sie bange,
Beroch sie dann lange,
Hielt sie fuer ungesund,
Liess alle Achtung und Luft aus dem Leibe,
Senkte sich auf die Wiegescheibe
Und sah – nach unten schielend – verwundert:
Die Waage zeigte ueber Hundert.

Joachim Ringelnatz

Zeeland

Die Lampe

Es steht eine Lampe am weiten Meer.
Wo kommt denn die Lampe, die Lampe her?
Sie trägt ein Reformhemd aus grünem Tang
und steht auf der Insel Fragnichtlang.
Die Lampe, die Lampe, die Lampe, weh,
sie kommt aus der Werweißwosisee!
Da liegt ein Schiff ganz unten kaputt,
und aus seinen Fenstern schaun Molch und Butt.
Die Wellen, die Wellen, die haben sie geschwemmt?
Jetzt träumt sie, den Fuß auf die Küste gestemmt,
in ihrem Reformkleid aus grünem Tang …
Und im Hintergrund, da liegt- Fragnichtlang.

Christian Morgenstern

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Eine Antwort zu “Gedichte zum Wochenende

  1. Herrliche Unsinnsgedichte. Christian Morgenstern hat bestimmt beabsichtigt, dass es beim Lesen etwas holprig zugeht.
    Liebe Grüße
    Barbara

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