über Venedig

„Wenngleich sie auch bei dem Versuch scheiterten, sich vorzustellen, wie es sei, mitten im Wasser zu wohnen, hielten sie auf jeden Fall für eine schlechte Idee. Sie wussten, wie es sich anfühlt, unter Tage zu leben, aber mitten im Wasser? Man macht das Fenster auf und blickt auf Wasser?

Insgeheim sahen es meine Onkel als Armutszeugnis an, dass Venedig über Jahrhunderte nicht Ernsthaftes gegen das Wasser unternommen hatte. Das kann nicht gut gehen, sagte Onkel Helmut, der sein Eigenheim ohne fremde Hilfe gebaut hatte und sich sogar mit Bergschäden auskannte. Schließlich sei bekannt, dass Venedig im Meer versinke. Man hätte die Stadt längst trockenlegen können, sagte mein Onkel, der auch mit Schwamm im Mauerwerk bereits Erfahrungen gemacht hatte.

Und Onkel Erich zog einen Vergleich zwischen dem Wasser in Venedig und dem Unkraut im Garten seines Nachbarn: Der Nachbar bezeichne das Unkraut nicht mehr als Unkraut, sondern als Wildkräuter, weshalb er nichts dagegen unternehme. Die einen nennen das Hochwasser, die anderen Romantik, sagte er. So einfach sei das.“

Der Italiener an meiner Seite, Petra Reski

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