Doppelblog's Weblog

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Gartengedanken

18. April 2009 · Kommentar schreiben

„Wenn deine Uhr nicht geht, zerlegst du sie und trägst sie nachher zum Uhrmacher; wenn jemandem unterwegs das Auto stecken bleibt, fingert er am Motor herum und holt hinterher einen Autoschlosser. In allem, was es auf der Welt gibt, weiß man sich Rat, alles kann man ordnen und klären, nur gegen schlechtes Wetter lässt sich nichts machen. Da hilft kein Übereifer und kein Größenwahn, keine Sucht nach Neuerung, kein Vorwitz und kein Lästern; die Knospe erblüht, und der Keimling sprießt, wenn sich ihre Frist und ihr Gesetz erfüllen. Und da wirst du deiner Machtlosigkeit bewusst und lernst begreifen, dass Geduld die Mutter der Weisheit ist. –

Übrigens lässt sich nicht anderes tun.“

***

„Der April ist der wahre, gesegnete Monat des Gärtners. Die Verliebten mögen uns getrost in ruhe lassen mit ihrem Wonnemonat Mai; im Mai blühen die Bäume und Blumen nur, aber im April, da schlagen sie aus! Glaubet mir, dieses Ausschlagen, diese Blüten, Knospen und Keimlinge sind wie ein Wunder der Natur, mehr verrate ich nicht; hockt euch doch selber nieder und durchwühlt das lockere Erdreich; doch haltet dabei den Atem an, denn eure Finger berühren einen zarten, vollen Keimling. Das lässt sich nicht schildern, genauso wie man Küsse nicht schildern kann und so manches mehr. „

beides: Karel Capek, Das Jahr des Gärtners

Kategorien: bibliothek · fundstücke
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Woraus besteht eine Stadt

22. März 2009 · 2 Kommentare

Gestern den ganzen Tag auf einer Tagung verbracht, über Klöster im Mittelalter. Viel gehört über das Leben und Wirtschaften in den Klöstern. Es wurde sehr viel zitiert aus Verträgen, Rechnungen, Zinsprotokollen – eher trockene Dinge, die aber das Leben doch anschaulich machen können, wenn es gut aufbereitet ist.

Auf dem Rückweg durch die Stadt kommt mir in einer Gasse ein Gaukler entgegen. Im Klosterhof steht ein Mönch in brauner Mönchskutte und sortiert Holzkreuze. Weitere Mönche kreuzen meinen Weg und mir wird klar, dass es sich um Darsteller einer mittelalterlichen Stadtführung handelt.

Und zuhause lese ich dann folgendes Zitat von Nooteboom, das alles sagt:

„Denn woraus besteht eine Stadt? Aus allem, was in ihr gesagt, geträumt, zerstört, geschehen ist. Aus dem Gebauten, dem Verschwundenen, dem Geträumten, das nie verwirklicht wurde. Aus dem Lebenden und dem Toten. Aus den Holzhäusern, die abgerissen wurden oder verbrannten, den Palästen, die hier hätten stehen können, der Brücke über das IJ, die zwar gezeichnet, aber nie gebaut wurde. Aus den Häusern, die hier noch heute stehen, in denen Generationen ihre Erinnerungen zurückgelassen haben.

Aber sie ist viel mehr als dies. Eine Stadt, das sind alle Worte, die dort je gesprochen wurden, ein unaufhörliches, nie endendes Murmeln, Flüstern, Singen und Schreien, das durch die Jahrhunderte hier ertönte und wieder verwehte. Mag es auch noch so entschwunden sein, es hat doch einmal dazugehört, auch das was sich nie mehr rekonstruieren lässt, ist ein Teil davon, einfach deshalb, weil es einst hier, an diesem Fleck, in einer Winternacht oder an einem Sommermorgen gerufen oder ausgesprochen wurde.  Die Wanderpredigt, das Urteil des Tribunals, der Schrei des Gegeißelten, das Bieten auf einer Versteigerung, die Verordnung, der Anschlag, die Kundgebung, das Pamphlet, die Bekanntgabe eines Todesfalls, das Ausrufen der Zeit, die Worte von Nonnen, Huren, Königen, Regenten, Malern, Schöffen, Henkern, Schiffern, Landsknechten, Schleusenwärtern und Baumeistern, dieses fortwährende Gespräch an den Grachten im lebenden Körper der Stadt, das alles macht sie aus.

Wer will, kann es hören. Es lebt fort in Archiven, Gedichten, in Straßennamen und Sprichwörtern, in Wortschatz und Tonfall der Sprache (…)

Die Stadt ist ein Buch, der Spaziergänger sein Leser. Er kann auf jeder beliebigen Seite beginnen, vor- und zurückgehen in Raum und Zeit. Das Buch hat vielleicht einen Beginn, aber noch lange kein Ende. Seine Wörter – das sind Giebelsteine, Baugruben, Namen, Jahreszahlen, Bilder.“

Cees Nooteboom, Eine Karte so groß wie der Kontinent. Europäische Reisen.

Kategorien: fundstücke · nachdenkliches · stadt
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fotografieren

20. März 2009 · Kommentar schreiben

Gerade ein sehr treffendes Zitat über das Fotografieren bekommen, das muss ich sofort bloggen:

„Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht.“

Andreas Feininger
(bekommen von Karlshorsterin)

Kategorien: fotografie · fundstücke
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bodenständig

12. November 2008 · 2 Kommentare

Es ist kein Riese so groß, dass er nicht mit beiden Beinen auf die Erde reicht.

Kategorien: fundstücke
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Augenblicke

7. November 2008 · Kommentar schreiben

Jahre vergehen.

Was uns bleibt,

das sind die Augenblicke

Ernst Ferstl

Kategorien: fundstücke · zeit
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Geschichte

25. Oktober 2008 · Kommentar schreiben

„Was den Menschen auszeichnet,

ist nicht, daß er Geschichte hat,

sondern dass er etwas von seiner Geschichte begreift.“

Carl Friedrich von Weizsäcker

Kategorien: fundstücke
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Esslingen

17. September 2008 · Kommentar schreiben

„Esslingen ist ein begehbares Bilderbuch der Geschichte.“ meinte am Tag des offenen Denkmals Gottfried Kiesow, der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Da kann ich nur zustimmen.

(Das ist übrigens der mit den schönen Büchern: „Kulturgeschichte sehen lernen“, die ich schon mal empfohlen habe.

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beruflicher Abstieg

14. Juli 2008 · 1 Kommentar

„Ich gebe gut gelaunt zu: Mein beruflicher Werdegang war ein
einziger Abstieg – vom Musiker zum Anwalt und dann zum Politiker.“

Lothar de Maizière, Rondomagazin 3/08

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Bewunderung

12. Juli 2008 · Kommentar schreiben

„Bewunderung ist immer das Ende eines Prozesses und nie sein Anfang. Sonst ist sie Mystizismus oder Verliebtheit, also etwas ganz anderes.“

Roberto Cotroneo, Wenn ein Kind an einem Sommermorgen

Kategorien: fundstücke
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Leben

10. Juli 2008 · Kommentar schreiben

„“Das Leben lief vor ihm her, er brauchte nur hinterdrein, bis er es einmal zu fassen kriegte. „

Egon Gramer, Zwischen den Schreien

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