Im Projekt Damals und Heute erinnern wir uns an unsere erste Autos und Autofahrten. Aber gehen wir mal noch weiter zurück – zu den allerersten Autofahrten. Natürlich denken wir hier sofort an Berta Benz, die allererste Autofahrerin.
Einen Bericht über eine der ersten Autofahrten von Léon Serpollet habe ich gefunden im Buch von Attilio Brilli „Das rasende Leben“ *
„Der detaillierte Bericht über eine fünftägige Probefahrt von Paris nach Lyon, die er 1890 mit seinem Mitarbeiter Ernes Archdeacon unternahm, ist eine der ersten Beschreibungen einer motorisierten Reise, die wir besitzen. Nachdem sie Paris ohne Schwierigkeiten hinter sich gelassen haben, erzählt Serpollet, rattert das Fahrzeug durch die weite Landschaft vor der Stadt, und alle Pferde schlagen aus und bäumen sich auf, wenn es vorbeikommt. Auf der Weiterfahrt zeigt der Wagen jedoch Anzeichen von Ermüdung und fängt an, Schaubenmuttern, Bolzen und Teile der Karosserie zu verlieren. In jedem Dorf steigen die beiden aus dem Automobil, suchen einen Amboss und machen sich, nachdem sie ihre Mäntel ausgezogen haben, daran, die Ersatzteile zu schmieden. Von Zeit zu Zeit gießen sie Wasser in das Spiralrohr und fahren eilig weiter.
Dann kommt die Phase der Unfälle, die gleich reihenweise aufeinander folgen. Auf halber Höhe eines steil abfallenden Weges bricht der Hebel, von dem das einzige Leitrad gesteuert wird, plötzlich an der Stelle ab, wo er mit dem Fahrgestell verbunden ist. Die Bremsen werden gezogen, doch der Wagen fährt ungerührt weiter … „Wegen einer solchen Kleinigkeit geben wir nicht auf“, sagt Serpollet. „Wir halten bei einem Eisenschmied, der uns eine riesige, unzerstörbare Stange zur Verfügung stellt. Weiter geht’s schneller als vorher. Die Stange hält. Plötzlich werden wir nach vorne geschleudert, als der Wagen abrupt anhält. Was ist jetzt passiert?“ Eine Felge, die direkt vor dem Wagen rasch davonrollt, lässt darauf schließen, dass das zum Lenken dienende Rad sie soeben im Stich gelassen hat, um eigene Wege zu gehen. Sie fahren unbeeindruckt weiter. Jetzt ist die kleine Klappe des Heizofens an der Reihe, sich selbstständig zu machen, dann ein Zylinder, der lose über dem Boden zu baumeln scheint … Nach all den Umbauten und Reparaturen ist Serpollets Gefährt bei der Ankunft hundertfünfzig Kilo schwerer geworden!“
Attilio Brilli, Das rasende Leben, die Anfänge des Reisens mit dem Automobil
* Attilio Brilli ist Italiener und lehrt amerikanische Literatur. Er gilt als einer der größten Kenner der Reiseliteratur. Er hat nicht nur das erwähnte Buch über die Anfänge des Reisens mit dem Automobil geschrieben, mit dem Buch „Als Reisen eine Kunst war“ erinnert er an all die vielen Touristen, die seit dem 16. Jahrhundert in Italien auf die Grand Tour gehen. Beides sehr lesenswert!






