Mit den Tags ‘gedicht’ versehene Einträge

Herr Durst
Herr Durst ist ein gestrenger Mann,
der lässt sich gar nicht foppen;
ob’s Wetter gut ist oder schlecht,
er geht nicht ab von seinem recht,
er fordert seinen Schoppen.
Und wer ihm den nicht geben will,
den quälet er tagtäglich,
er quält in hier, er quält ihn dort,
er quälet ihn in einem fort
und quält ihn ganz unsäglich.
Da gilt kein Ansehn der Person,
nicht Stand noch Würd’ und Ehren:
Herr Durst, der kehrt bei allen ein,
bei Reich und Arm, bei Groß und Klein
und niemand kann’s ihm wehren.
Ihn rührt kein Ernst, ihn rührt kein Spaß,
kein Pfeifen und kein Singen.
Ihr könnt ihn nicht durch Spott und Hohn,
ihr könnt ihn nicht durch Schmäh’n und Drohn
von seiner Forderung bringen.
Drum macht’s wie ich: Ich bin bereit,
sein Schöpplein ihm zu zollen.
Und lässt er mich dann nicht in Ruh’.
trink ich ihm noch ein zweites zu,
dann hört er auf zu schmollen.
Hoffmann von Fallersleben
und noch ein Nachsatz für Herrn Skizzenblog:
Danke für das Angebot, aber wir (also ich hier im Schwabenland) wohne praktisch zwischen Trollinger, Lemberger, Schwarzriesling, Samtrot, Spätburgunder, Dornfelder und Acolon. Allerdings trinken wir den meisten Wein selbst (also die Württemberger), das kann natürlich ein Grund sein, dass die Kunde von der Existenz unseres Rotweins nicht weit reicht. Und heisst der Ort, wo Sie herkommen nicht Riesling-City? Aber vielen Dank für das Angebot, ich werd’s mal an meine Schweizer Kollegin weiterreichen :-)
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Mit Tag(s) versehen: gedicht, wein
Herbst
Ich bin, das lässt sich nicht bestreiten,
Die herbste aller Jahrszeiten:
Raue Winde, scharf wie Säbel,
Welke Wälder, graue Nebel.
Die Vögel klagen leise, leise
Und gehen auf die Winterreise.
Dann lischt die Sommersonne aus.
Holt eure Gummischuhe raus.
Mascha Kaléko
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Mit Tag(s) versehen: gedicht, herbst
Beim Stöbern nach Gedichten mit einem Schuss Kaffee bin ich auf ein Gedicht einer Mitleserin gestossen (allerdings nicht auf ihrer Seite, deswegen verlinke ich jetzt mal allgemein zum blog. sehr lesenswert, sehrquergedacht – eben Quersatzein )

kaffeepause
am tisch neben dir
im stimmengewirr
brechen zwei frauen
in helles lachen aus
sekundenlang anhaltend
und du denkst
dass du dir schnell
etwas wünschen solltest
jetzt
riecht es mit einem mal
so prickelnd
nach morgen.
brigitte fuchs
Ich hab nicht alle Tassen im Schrank
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Mit Tag(s) versehen: 30 tassen, gedicht, kaffee, kaffeekultur, kaffeepause
Der Säufer an den Vollmond
Warum mein lieber Mond, sieht Er
So hoch und kalt auf mich daher?
Doch wol nicht seiner Völle wegen?
O da bin ich ihm überlegen:
Denn Er, mein lieber, weiß Er wol?
Ist Einmal nur im Monat voll!
Heinrich Christian Boie
(1744-1806)

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Mit Tag(s) versehen: gedicht, vollmond

Der Winter geht zu Ende,
er tropft nervös vom Dach.
Der Lenz reibt sich die Hände
und hilft ein wenig nach:
Er schickt dem Winter Regen
und reizt ihn zur Revanche,
der zaubert allerwegen
die herrlichste Melange.
Der Zustand ist uns allen
verhaßt und wohlbekannt.
Die Stimmung pflegt zu fallen,
es steigt der Krankenstand.
Die Pessimisten weinen
vom Kopf bis zum Popo,
dieweil sie eben meinen,
es bliebe ewig so.
Der Optimist trinkt Harten
und schwelgt in Vitamin.
Er weiß, daß bald im Garten
die Märzenbecher blüh’n.
Peter Kahnt
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Mit Tag(s) versehen: frühling, gedicht
Karneval
Väter, hört mich, Mütter, hört die Mahnung,
Jetzt kommt wieder jene Zeit – versteht! -,
Wo so manche Tugend ohne Ahnung
Der Besitzerin abhanden geht.
Beute suchend schleicht umher das Laster;
Wer ist sicher, dass ihm nichts geschieht,
Wenn man jetzt der Busen Alabaster
Und beim Hofball auch die Nabel sieht?
Von den Blicken kommt es zur Berührung,
Irgendwo zu einem Druck der Hand,
Und so manches Mittel der Verführung
Sei aus Scham hier lieber nicht genannt!
Wenn an hochgewölbte Männerbrüste
Sich das zarte Fleisch der Mädchen drängt,
Regen sich von selbst die bösen Lüste
Und was sonst damit zusammenhängt.
Darum Eltern, wenn die Geigen klingen
Und die Klarinette schrillend pfeift,
Hütet eure Tochter vor den Dingen,
Die sie hoffentlich noch nicht begreift!
Ludwig Thoma
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Mit Tag(s) versehen: gedicht, karneval
Advent
Die Zeit rundet sich
zum Advent
mit den geduldigsten Blättern
fallen die letzten Stunden ab
es kommen stille sinnende Tage
mit Nebel, Schnee und Sternen
das grösste Wort wird heissen
daheim
Helena Aeschbacher-Sinecka
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Mit Tag(s) versehen: advent, gedicht
Ein Wort zum November – passt auch im Dezember
wenn aus dem alltag
die farben
weichen
ist das glasfenster
schwarzweiss
am regenbogen
hole ich
farbe
sr. teresa grollimund in „risse im dunkel“, 1994
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Mit Tag(s) versehen: alltag, farbe, gedicht
Unter eine Leselampe gelegt
Die feingesponnenen Fäden der Schrift,
mit denen wir unser Leben vernähten,
die kunstvollen Muster in Büchern, in Briefen
Zeile um Zeile wieder auftrennen.
Die gesprochene Sprache knüpfen
von Mensch zu Mensch und durch Dasein reden,
wie die geduldigen Dinge es tun.
Alles Papier zurückverwandeln
ins Geheimnis der alten Wälder
und sich verdichten in Jahresringe,
die kosmische Unrschrift für Analphabeten.
Christine Busta
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Mit Tag(s) versehen: gedicht
Fäden
Ich liebe Regen.
Der Regen näht Himmel
und Erde zusammen.
Doch Blitze reißen
die Naht wieder auf.
Vergebens versuch ich
den Saum des Himmels
zu fassen, zu halten.
Mir rinnen nur Fäden
über die offene Hand.
Wolfgang Bächler
***
Es regnet
Im Herbst
sind die Häuser
heimatlos
In welches
verirrst du dich
Du redest zur Wand
über den Frühling
Das Fenster spannt auf
einen Regenbogen
Kommen die Fremden
suchen Wohnung
ihre nassen Schritte
klopfen an deinen
Puls
du redest zur Wand
über den fremden
Frühling
Es regnet
Rose Ausländer
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