fast eine Heimat

Eine schöne Ausstellung habe ich gestern gesehen, leider, leider endet sie schon bald (am 31. Januar). Im neuen Stadtarchiv Stuttgarts ist die Ausstellung über das Veielbrunnenviertel, „den historischen Teil des NeckarParks“ zu sehen. Hervorgegangen ist sie aus einem Projekt der Gemeinwesenarbeit: Jugendliche befragten Senioren des Viertels zur ihrer Geschichte und der des Stadtviertels. Aus diesen Befragungen ist auch die Ausstellung selbst entstanden, ein Großteil der Exponate stammt von den Bewohnern des Viertels selbst. Das Veielbrunnenviertel ist ja wie eine Insel, es liegt zwischen der Bahnlinie und der Mercedesstraße (Wasen) und ist nicht wirklich mit dem Rest von Cannstatt verbunden. Was ein Nachteil aber auch ein Vorteil sein kann („wir auf unserer Insel“).

Darüber gäbe es jetzt viel zu berichten, auch das Veielbrunnenviertel selbst oder die NeckarPark-Pläne wären einen Bericht wert. Aber hängen geblieben sind mir vor allem zwei Sätze, die mich den ganzen Tag schon beschäftigen

Der eine vom örtlichen Gemeinwesenarbeiter:
„Wer weiß, wo er herkommt, kann leichter ein Ziel finden, wo er hin will.“

Und der andere aus den Hörstationen der Ausstellung. Eine Migrantin berichtete über ihr Leben hier und sagte sinngemäß: „Ich habe mich hier gut eingelebt. Ich habe hier fast eine Heimat gefunden.“ Ich konnte nur kurz hinein hören, da wir das Ganze im Rahmen einer Führung besichtigt haben. Aber dieses „fast eine Heimat“ hat sich bei mir festgesetzt. Ankommen, aber nicht ganz. Irgendetwas bleibt immer zurück. Fast eine Heimat.

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3 Antworten zu “fast eine Heimat

  1. Das kann ich irgendwie verstehen. Ich würde niemals München als meine Heimat bezeichnen, obwohl ich seit ca. 27 Jahren in dieser Stadt lebe…

  2. Ich hab fast acht Jahre in diesem Kiez gelebt, fünfter Stock mit Dachterrassen. Das war ein kleines Paradies für mich.

    Aber das Viertel ist in Schockstarre, seit der jämmerlich gescheiterten Olympiabewerbung, als genau hier und auf dem Güterbahnhof das Athletendorf entstehen sollte. Seitdem wird geplant und geplant, aber leider nichts mehr investiert. Das Viertel stirbt allmählich, aber vielleicht ist das auch so gewollt, da ändert auch das schöne Stadtarchiv nichts.

    Ich kann nicht verstehen, dass angesichts der angeblichen Wohungsnot in Stuttgart, nicht längst gebaut worden ist – und sich ein OberBÜRGERmeister ausgerechnet für die Ansiedelung von IKEA auf der Brache ausgesprochen hat.

  3. Ja, das ist mir auch aufgefallen. Wir sprachen dort auch mit jemand vom Stadtplanungsamt. Und die Planung dort hat doch durchaus Hand und Fuss, die Wohnungen würden dem Viertel gut tun und Stuttgart auch. Das mit IKEA halte ich auch für einen Riesen-Fehler
    Schade, ich sag ja schon immer Stuttgart kann keine Vernetzung, aber Stuttgart kann anscheinend auch keine Wohnbebauung. Es wird Zeit für einen echten Bürgermeister.

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