Gelesen: April

Beth Hoffman: Saving CeeCee Honeycutt
Nett. Nicht mehr und nicht weniger. Es bleibt mir fremd, berührt mich nicht wirklich. Ich könnte mir denken, dass die deutsche Übersetzung von Isabo dem Ganzen noch ein wenig Zauber gibt.

Natasha Solomons:
* Mr Rosenblum’s List: Or Friendly Guidance For The Aspring Englishman
Ein wunderbares Buch. Das ganze ist eine verrückte, erfundene Geschichte wie halt so englische Geschichten oft sind. Wie „der Engländer der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam“. Doch im Gegensatz zum vorigen Buch ist das erfundene für mich hier „wahr“ und „echt“. Es wirkt stimmig und glaubhaft. Mr. Rosenblum kommt als jüdischer Flüchtling nach England und möchte so sehr Engländer werden. Er schreibt sich eine Liste mit all den Dingen, die einen Engländer ausmachen. Nur den letzten Punkt, Mitglied in einem Golfclub zu werden, das schafft er nicht, kein Golfclub will ihn aufnehmen. So will er einen Golfclub selbst bauen. Es ist gleichzeitig eine Geschichte übers fremd sein und Heimat finden übers Vergessen und Erinnern, darüber wie schwer Integration ist, bei aller Bemühung und wie man in einem neuen Land Fuß fasst. Sehr gut gefallen hat mir das Nachwort, in dem die Autorin von den Vorbildern berichtet, ihren Großeltern – selbst jüdische Flüchtlinge – die sich auch schwer taten, in der neuen Heimat akzeptiert zu werden. Die Geschichte ist fiktiv, aber vieles ist tatsächlich von ihren Großeltern übernommen. Das lässt es so stimmig und liebevoll erscheinen. Lesenswert!

Eine sehr spezielle Lektüre gab es auch noch, mein Onkel hat vor langer Zeit die Feldpostbriefe meines Großvaters transkibiert und binden lassen. Eine spannende Lektüre, auch wenn da keine Sensationen stehen, kein aufregender Kriegsabenteuer. Nur sehr viele, lange Alltagsschilderungen, vor allem von meiner Großmutter, die, als mein Großvater eingezogen wurde, mit 3 Buben alleine war, sich überfordert fühlte und viele alltägliche Fragen wurden nun per Brief gelöst. Es zeigt, wie fremd uns dieser Alltag heute ist. Zusammen mit den Kindheitserinnerungen meines Onkels eine sehr sehr lohnenswerte und nachdenklich machende Lektüre. Wer so etwas besitzt, soll es wie einen guten Schatz hüten. Und wer kann, soll gerne noch Großonkel oder  Großeltern befragen, solange es noch möglich ist.

Irène Némirovsky
* Suite Francaise
Sehr beeindruckend. Irène Némirovsky war eine jüdisch Exilrussin, die in Frankreich lebte. Im 2. Weltkrieg wurde sie deportiert und starb 1942 in Auschwitz. Erst 1986 wurde bekannt, dass das von ihren Kindern gerettete Manuskript der „Suite Francaise“ nicht nur Notizen enthielt sondern einen beeindruckenden wenn auch unfertigen Roman.

Die Suite war auf 5 Teile angelegt, 2 sind fertig und wurden 2005 publiziert. Es beschreibt Paris zum Zeitpunkt des Einmarsches der Deutschen und im 2. Teil eine französische Kleinstadt zur Zeit der Okkupation. Es ist sehr dicht am Zeitgeschehen, sie wusste zum Zeitpunkt des Schreibens ja noch nicht, wie alles ausgeht. Dies macht es so beklemmend. Es wird auch nicht aus der Sicht einer Person geschrieben, es werden verschiedenste Familien geschildert.

Ich kannte Irene Nemirowsky bissigen Schreibstil, hier ist er vollendet. Sie schont niemand Großes, nur die einfachen Leute werden mit Sympathie geschildert. Sehr beeindruckt hat mich die Tatsache, dass ich 2 Bücher hintereinander gelesen habe, die beide im Paris der 40er Jahre spielen, dies hier 1941, Julia Child (My Life in France)  kam 1948 nach Paris. Wie unterschiedlich sind diese Beschreibungen, wie2 komplett verschiedene Welten..

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4 Antworten zu “Gelesen: April

  1. Oh, danke! Wenn das mal nicht zu viel der Vorschusslorbeeren sind.
    Ich mochte das Buch sehr. Es mag ein wenig schlicht sein, aber ich fand es auch durchaus ergreifend. (Aber man ist als Übersetzerin auch so nah dran, dass man es sowieso nicht mehr wirklich beurteilen kann.)

  2. Ich glaube es macht auch viel aus, was man davor und danach liest. (Oder parallel, bei mir) Ich vergleiche schnell miteinander und da hatte es irgendwie keine Chance. Kommt jetzt so ganz schlecht weg, aber nett war es schon. Als Übersetzerin lebt man ja wirklich in den Büchern.

  3. “Suite Francaise” habe ich mir auch vor einiger Zeit zu- und dann nicht mehr aus der Hand gelegt.

  4. „Suite Francaise“ ist ein super Buch!!!! Empfehlenswert

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